New York, New York
Eine Fotoreise in Kurzform

Noch bin ich nicht einmal 12 Stunden in New York, gibt es die erste positive Überraschung: der weltbekannte New Yorker Stadtmarathon findet gerade statt und endet nur 300 m vor meinem Hotel im Central Park. Das muss natürlich ausgiebig fotografiert werden – und nach einem ganzen Tag sind die ersten Bilder im Kasten bzw. auf dem Chip.

Aber der Reihe nach: Vom Flughafen geht es noch problemlos in einer Stunde mit einer U-Bahn bis kurz vor mein Hotel, dann einmal umsteigen und nur noch eine Haltestelle weiter. Doch dummerweise ist genau diese Umsteigeplattform an diesem Tag gesperrt, also evtl. wieder zurück und nochmal umsteigen. Leider warte ich lange vergebens, weil ich zunächst wegen mangelnder Beschilderung das falsche U-Bahn-Stockwerk erwischt habe. Dann endlich zurück und wieder vorwärts, doch diesmal fährt die Express-Bahn über meine geplante Haltestelle hinaus. Also mit der Lokalbahn wieder zurück. Es wäre ja alles nicht so schlimm, aber ich habe neben einem schweren Rucksack vor allem eine schwere Fahrradbox im Schlepptau, mit der das dauernde Treppensteigen wirklich kein Vergnügen ist. Die eine Haltestelle kostet mich im Endeffekt sehr viel mehr Zeit wie die ganze Fahrt durch die Riesenstadt. Und dann muss ich vor dem Hotel feststellen, dass der Umsteigebahnhof sowieso günstiger gewesen wäre! So lande ich erst nachts gegen 2 Uhr Ortszeit in meinem Bett, in Europa stehen die Menschen schon wieder auf.

Am nächsten Morgen wundere ich mich über sportliche Lärm ganz in der Nähe: der berühmte New York Marathonlauf um die Ecke, von dem ich gar nichts wusste! Ein fotografischer Leckerbissen – die Tausende von Zuschauern sind so gebannt von dem Geschehen, dass ich zu vielen Porträts komme! Ich weiß nicht, was man mehr bewundern soll - die Ausdauer der Läufer aus der ganzen Welt  oder die Begeisterung und Anfeuerungen der Einheimischen für die Teilnehmer! Am späten Abend kann ich gleich meine Bilder archivieren und bearbeiten, meine nächtliche Beschäftigung während der ganzen Woche.

Hier erst einmal ein typischer Tagesablauf: Etwas ausschlafen, dann im Coffeeshop ein Cappuccino, ein Toast-Bagel und ein Früchte-Joghurt – der Tag wird ja recht lang. Mein Programm ist unterschiedlich, aber in jedem Falle sehr anstrengend. Am Abend gibt es als Belohnung ein Fastfood-Essen oder ein Fertigsalat im Hotelzimmer. Dann mehrere Stunden Arbeit am Laptop – und das soll wirklich Urlaub sein?

Zwei Tage erkunde ich mit dem Mountainbike nach dem Central Park die Hochhausschluchten von Manhatten-Downtown, auch in der Nacht. Ich fahre dabei den ganzen Broadway entlang, der sogar teilweise eine neue Fahrradspur hat. Ansonsten Durchschlängeln zwischen den Autos und den Fußgängern – sicher nichts für Ungeübte oder Nervenschwache! Ich besuche die Baustelle von Ground Zero, fahre über die Manhattan- und Brooklyn-Bridge und absolviere das übliche Besichtigungsprogramm – jedoch mit dem Fahrrad und dem intensiven Schwerpunkt Fotografieren.

Als Kontrast zu den Wolkenkratzer-Schluchten mache ich eine ländliche Mountainbike-Tour im Staat New York. Den Ausgangspunkt neben dem breiten Hudson-River erreiche ich mit dem Zug in einer Stunde. In einem State Park fahre ich auf einsamen Forstwegen durch die Natur, die sich ganz in den Herbstfarben des späten Indian Summer präsentiert. Eigentlich eine eher gemütliche Tour, wäre da zum Abschluss nicht der anspruchsvolle Singletrail gewesen, dessen viel Steine unter einer dichten Laubdecke versteckt sind!

Zur Erholung geht es bei grauem Wetter am nächsten Tag erst mal ins Museum: Das Metropolitan Museum of Art ist das viertgrößte der Welt, und wenn man sich viel anschauen möchte, ist auch das eine ziemlich anstrengende Angelegenheit.

Meinen Geburtstag verbringe ich Tags drauf größtenteils im Rockefeller Center. Dabei fotografiere ich gleich zweimal vom 87. Stockwerk aus das Häusermeer von Manhattan – besonders eindrucksvoll bei Sonnenuntergang und nächtlichem Lichtermeer!

Am Abreisetag noch eine schlechte Nachricht: obwohl ich zwei Gepäckstücke à 23 kg frei habe, verlangt die Fluggesellschaft beim Rückflug plötzlich 200 Dollar extra für mein Mountainbike, weil ein verpacktes Fahrrad angeblich kein Gepäckstück ist!

Der Aufenthalt in New York hat sich trotzdem gelohnt – bei über 150 km auf dem Fahrrad, mit dem man sehr flexibel die Vorteile von Fußgängern und Autos kombinieren kann. New York ist neben den großen europäischen Klassikern zweifellos eine der faszinierendsten Städte der Welt. Und so komme ich nach einer spannenden Woche mit fast 1000 bearbeiteten Bildern wieder zufrieden nach München zurück.

© Dr. med. Walter Treibel, 2014