Fotoexkursion in Island - Juni 2014

Im Wohnmobil auf der glücklichen Insel

In den Pfingstferien steht die Insel Island auf unserem Programm, die wir wieder mit unserem eigenen Sprinter-Wohnmobil erkunden wollen. Diesmal haben wir keine großen sportlichen Pläne, sondern wollen uns erst einmal im Land umschauen. 

Dafür ist zunächst eine lange Anreise durch Deutschland bis an die Nordspitze von Dänemark notwendig. Von Hirtshals schiffen wir für 2,5 Tage auf das Fährschiff Norröna von der Smyrill-Line ein. Unterwegs können wir uns bei einem Zwischenstopp für ein paar Stunden die malerische Hauptstadt Torshavn auf den Färöer-Inseln anschauen, ansonsten genießen wir die ersten Urlaubstage mit Lesen, Filmen, Frühstücks- und Abend-Buffet ...

In Island empfängt uns zunächst einmal dichter Nebel, Nieselregen und – soweit sichtbar – sehr viel Schnee, der noch weit die Berge herunterreicht. Unsere Vorstellungen von der grünen Insel waren so ganz anders ... Da für den Norden jedoch gutes Wetter angesagt ist, ändern wir unsere ursprüngliche Routenplanung und fahren vom Hafen Seydisfjördur zunächst in den Norden.

Husavik ist der bekannteste Ausgangspunkt für Wal-Beobachtungen. Auf einem alten, ehemals deutschen Segelschiff können wir tatsächlich die sanften Riesen der Meere aus der Nähe beobachten. Als nächstes besuchen wir den Myvatn, den bekannten „Mückensee“ in einem großen Nationalpark und das erste von vielen Geothermalgebieten – dampfende, brodelnde Löcher, rot-braune Mondlandschaften und mit Lavabrocken übersäte Gegenden. Am Dettifoss, dem größten Wasserfall Europas, ist uns  die Sonne gewogen.

Schon in den ersten Tagen überwältigt einen die großartige Natur: das Sonnenlicht, dass sich am Wasserfall in einem großen Regenbogen bricht, die ungewöhnlichen Gesteinsformationen, der sich zurückziehende Winter auf der Hochebene mit Schnee- und Eisfeldern sowie Wasserlacken in einem einzigartigen Farbenspiel.

Wieder zurück auf der Ringstrasse setzen wir unsere Route nun im Uhrzeigersinn um die Insel fort. Das nächste beeindruckende Naturschauspiel erleben wir im Süden Islands am Jökull Sarlon. Hier kalbt der Vatnajökull-Gletscher ins Meer – ein ganzer See voller Eisberge mit wunderbaren Formen und Farben. In der Nacht, in der es um diese Jahreszeit ja kaum dunkel wird, zeigt sich uns der Vatnajökull,  der höchste Berg des Landes in der Pracht der frühen Morgensonne und zauberhafter Wolkenbänder.

Der Weiterweg führt uns bis zum südlichsten Dorf Islands, Vik i Myrdal mit bizarren Felsnadeln, Basaltformationen im und am Meer – es gibt eine Naturschönheit nach der andern zu entdecken.

Unzählig und unterschiedlich  sind die Wasserfälle auf Island. Einer der größten ist der Gulfoss, er besteht aus zwei Stufen (11 und 21m) und obwohl wir dort keine Sonne haben, ist es ein beeindruckendes Schauspiel. Etwas weiter nordwärts betreten wir im Haukadalur wieder ein Geothermalgebiet mit heißen Quellen und dem großen Geysir, von dem alle Geysire der Welt ihren Namen ableiten.  Dieser brodelt allerdings nur noch schwach vor sich hin, während sein „kleiner Bruder“ Strokkur fleißig alle paar Minuten 10-20 m in die Höhe schießt.

An der Südwestspitze der Insel besuchen wir unsere ersten Vogelfelsen und die Solfataren von Gunnahver. Die benachbarte „Blaue Lagune“ begeistert uns nicht so sehr, da sie inzwischen sehr zugebaut und mit Touristen überfüllt ist. In Reykjavik baden wir zum ersten Mal in einer warmen Quelle am kostenlosen Strandbad der Hauptstadt. Von den Sehenswürdigkeiten der Stadt picken wir uns nur ein paar heraus wie die moderne Kirche im Zentrum.

Im NationalparkThingvellir liegt die erste altisländische Tingstätte, an der bereits im Jahr 930 parlamentarische Versammlungen mit richterlicher und gesetzgebender Funktion abgehalten wurden. In dieser Allmänner-Schlucht wird auch sehr eindrucksvoll das Auseinanderdriften der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten sichtbar und man kann sozusagen über Felspalten und Rissen gleichzeitig auf zwei Kontinenten stehen. 

Über die Hochlandroute Kaldadalur, die mit ihrer bizarren, kargen Lavalandschaft besticht, gelangen wir auf die Halbinsel Snaefellsnes. Ganz im Westen fahren wir eine mit Schlaglöchern versehene Schotterstrasse  zum Berg Snaefellsjökullhinauf. Leider versperren uns oberhalb von 500 m Höhe weite Schneefelder die Weiterfahrt. Ein Pkw scheitert am steilsten Abschnitt, aber wir können uns freuen: dort oben haben wir wieder einen herrlichen Nachtplatz mit Blick auf Sonnenuntergang, Berge, den letzten Zipfel der Halbinsel und das Meer.

In Arnarstapi, einem kleinen Ort am Fuß des Snaefellsjökull erwarten uns am nächsten Morgen Sonnenschein und dicht besiedelte Vogelfelsen an der Küste mit fotogenen Basalttürmen, Höhlen, Bögen und Löchern. An diesem Abend erleben wir bei Alftafjördur den schönsten Sonnenuntergang und das Wiederauftauchen der Sonne mit Blick auf den Fjord und die vielen, vielen kleinen Inseln.

In den Westfjorden, ein wildes Land ganz im Nordwesten der Insel, prägen zunächst Berge das Landschaftsbild, die teilweise steil zum Meer hin abfallen.  Die Straßen sind  meist nicht mehr asphaltiert und obwohl sie an der Küste entlang laufen, geht es des Öfteren bis auf 400m oder mehr steil hinauf und wieder hinunter. Die ganz wenigen Tourenradfahrer müssen mit ihrem schweren Gepäck hier Schwerstarbeit verrichten.

Bei Latrabjarg, dem westlichsten Landstück Europas, bleiben wir eine Nacht auf einem kostenlosen Campingplatz: eine große Wiesenfläche, die hinter einem Bergkamm liegend Schutz vor dem hier schnell umschlagenden Wetter gibt. Grönland ist nur noch 275 km entfernt. Kilometerlang kann man hier an der Küste entlanglaufen und die riesigen Vogelfelsen mit ihren Abertausenden von Nistplätzen bewundern. Vor allem die Papageientaucher mit ihrem lustig-traurigen Gesichtsausdruck haben es uns angetan!

In einem der vielen Fjorde, die es auszufahren gilt, finden wir am Ufer des Reykjafjördur ein von heißem Quellwasser gespeistes Bad – einfach so an der Straße. Da wir meist nur Temperaturen zwischen 12 und 17 Grad haben, ist so ein heißes Bad  ein herrlicher Genuss! Nächster Höhepunkt ist der Dynjandifoss, ein breiter Wasserfall, der in mehreren Stufen über 100 m in die Tiefe stürzt, sicher der schönste und größte in den gesamten Westfjorden. Auch hier im Norden geht es immer wieder steile Küstenberge hinauf und hinunter. Zum Sandafell, einem 367m hohen Berg, der eine schöne Sicht auf die Stadt Thingeyri und Fjorde ringsum bietet, fahren wir eine 4x4-Piste hinauf, was für unseren Sprinter ja zum Glück kein Problem ist.

Um ca. 11 Uhr nachts ziehen wir neben der Straße ein Touristenpaar aus Canada aus dem Schnee, in dem sie mit ihrem Allrad-PKW bei der Nachtplatzsuche stecken geblieben waren - übrigens schon unsere zweite derartige Rettungsaktion! Eine Stunde später entdecken wir ganz im Norden eine von Sturm und Steinschlag verwüstete Küstenstraße, die durch einen langen Tunnel ersetzt wurde. Man kommt zwar noch durch, aber teilweise ist die halbe Straßenseite weg gebrochen. Trotzdem hindert uns das nicht, hier eine Nacht zu verbringen. Erst um 1 Uhr nachts gibt es ein Abendrot, eine halbe Stunde später wandelt es sich in das Rot der aufgehenden Morgensonne.

Im benachbarten Bolungarvik  entdecken wir ein kleines aber feines Freilichtmuseum – drei Häuschen, in denen zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert im Winterhalbjahr Fischer lebten. Eine in der Kleidung der damaligen Fischer gewandete Führerin erklärt uns, wie sie wohnten, Fische fingen und Trocken- und Salzfische herstellten, bis sie dann im Frühsommer wieder zur Bearbeitung ihrer Farmen wegzogen. Hier, an unserem nördlichsten Umkehrpunkt wartet noch eine Überraschung auf uns: direkt auf einem der Felsen im Meer neben unserer Straße sonnt sich ein Seehund und lässt sich schön fotografieren, bevor er wieder ein kühles Meeresbad nimmt.

Zum Abschluss beschließen wir, noch einen Hochlandausflug ins Landesinnere zu wagen. Fast alle Pisten sind wegen der vielen Schneefelder noch gesperrt - nur die Kjölurroute hat inzwischen geöffnet. Die Fahrt über Wellblechpisten und Schlaglöcher wird bei weitem entschädigt durch das Geothermalgebiet und Hochlandbad von Hveravellir: hier gibt es den schönsten natürlichen Badepool der ganzen Insel, wo man selbst den Zulauf von heißem und kaltem Wasser regulieren kann. Ganz allein können wir hier ein entspannendes Bad nehmen - direkt dahinter erstrecken sich heiße Quellen, Solfatare und Fumarolen.

Noch gewaltiger ist das Kerlingarfjöll, etwa 20 km weiter südwärts. Zwischen rötlich-braunen Bergen dampft und brodelt es heraus. Dahinter schon der Schnee des Hofsjökull, dazwischen grasgrüne Moosflecken – es ist unbeschreiblich schön. Dazu der Blick weit über die Insel: Bei schönem Wetter kann man sogar vom Nordmeer bis zum Atlantik im Südosten sehen. In der Nacht kommen wir kaum zum Schlafen, um nichts von dem Wechselspiel von Sonne, Wolken und Farben der dampfenden Berge zu verpassen.

Noch bevor wir dann Abschied nehmen müssen, sind wir schon fest entschlossen, dass dies nicht unsere letzte Islandreise war - und es ist gut, dass wir auf der Fähre noch viel Zeit haben, um all die schönen Erlebnisse nachzukosten und zu verarbeiten.

Island hat neben Kultur vor allem sehr viel Natur zu bieten: Meer, Sonne, Wasservögel und die schönen Islandponys, Seen, Flüsse und Wasserfälle, die vielen Farben der Flechten und Gewächse, in den Höhen Schnee, Eis und Wasser zu interessanten Formationen und Farben verfroren, Geothermalgebiete und viele unberührte Landschaften ... Hier kann man wirklich abschalten und sich ganz in den Bann dieser einzigartigen Naturschönheiten ziehen lassen!

© Dr. med. Walter Treibel, 2014