Südnorwegen im Hochwinter - 2013/2014

Wieder einmal sind wir in den Weihnachtsferien mit unserem Wohnmobil unterwegs - als Kontrastprogramm diesmal im kalten Norden, denn wir wollen unser Gefährt auch einmal bei Schnee, Eis und Kälte testen. Empfehlen kann man diese Reisezeit jedoch nicht: es wird erst etwa ab 9 Uhr richtig hell und um 16 Uhr ist es schon wieder stockdunkel! D.h. man ist öfters in der Dunkelheit unterwegs, zumal auch noch sehr viele Tunnel dazukommen.

Nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Besuch von Freunden und Verwandten auf der Strecke erreichen wir zuerst Bremen und Hamburg. Insbesondere Hamburg gefällt uns mit seinen vielen Lichtern in der Nacht: vom Kirchturm der Michaelskirche haben wir einen stimmungsvollen Blick auf die beleuchtete Innenstadt und den Hafen.

Durch Dänemark fahren wir ohne Umwege direkt nach Hirtshals an der Nordspitze, wo wir mit der Fähre nach Kristiansand übersetzen. Norwegen empfängt uns mit Nieselregen und Kälte. An der Küste geht es zunächst bis Stavanger (leider nur bei Nacht) und dann zum Preikestolen, unserem ersten Wanderziel. Dieser Gipfel thront 600 m wie eine Kanzel (Predigtstuhl) spektakulär über dem Fjord und fällt auf drei Seiten senkrecht nach unten ab. Da es eine der schönsten Wanderungen des Landes ist, ist dieser Berg im Sommer stark überlaufen. Wir sind jetzt allerdings fast alleine unterwegs und genießen die herbe Landschaft.

Drei Fähren und eine Nachtfahrt bringen uns am gleichen Abend bis Bergen, der Kultur-Hauptstadt von Norwegen. Kurz vor Mitternacht haben wir unser Ziel erreicht und können hoch über der Stadt mit den Einwohnern das neue Jahr begrüßen. Wir haben einen fantastischen Blick auf den Hafen und die Umgebung: um 24 Uhr erleben wir nicht nur ein großartiges Feuerwerk, sondern auch das sonore Tuten sämtlicher Schiffssirenen - ein ganz besonderer Sylvestertag!

Als wir am nächsten Morgen die Altstadt und den Hafen besichtigen, haben wir sogar das Glück von einigen Sonnenstrahlen - denn normalerweise ist Bergen die regenreichste Stadt Europas.

Unser Weiterweg sollte uns von hier aus in die große Hochfläche der Hardangervidda führen. Aber Schneetreiben und Wind vereiteln diesen Plan - die Straße ist für unbestimmte Zeit gesperrt. So fahren wir weiter in den Norden der Küste entlang. Hier liegt wegen des warmen Golfsstroms kein Schnee, aber wir müssen kurvenreich an vielen Fjorden entlangfahren oder diese mit Fähren überqueren. Gerade hier in dieser abwechslungsreichen Landschaft haben die Norweger sehr viele Tunnel gebaut, um den Verkehr flüssiger zu gestalten. An einem Tag durchfahren wir Dutzende Tunnels in einer Gesamtlänge von 50 Kilometer - der längste allein 24,5 km!

Drei Tage nach Bergen erreichen wir Alesund, eine Hafenstadt inmitten einer Fjord- und Inselwelt. Auf einem Aussichtspunkt hat man den besten Blick auf den Ort mit seinen Jugendstilhäusern. Der nächste landschaftliche Höhepunkt ist das Romsdal mit seinen steilen Granitgipfeln, den Trollwänden, das alpine Kletterzentrum von Norwegen. Wir fahren jetzt wieder nach Süden und werden in der ehemaligen Olympiastadt Lillehammer von Dauerregen enttäuscht.

Wir geben jedoch noch nicht auf und queren über drei Pässe bzw. Bergkämme nach Osten, um uns der Hardangervidda von der anderen Seite zu nähern. Hier kommen wir endlich in den richtigen Winter: nur wenige hundert Meter über den Tälern ist die Landschaft tief verschneit und beschert uns Bilderbucheindrücke und entsprechende Fotos. Allerdings ist das Fahren ziemlich mühsam, da die Straßen vereist und mit Schnee bedeckt sind. Einmal müssen wir sogar einen Norweger mit seinem VW-Bus aus dem Straßengraben ziehen - die Einheimischen hatten gar kein Abschleppseil dabei. Dafür ist es in Norwegen im Winter noch erlaubt mit Spikereifen zu fahren.

In Geilo, dem Wintersportzentrum des Landes gibt es beleuchtete Skipisten. aber auch Langlaufloipen, die wir gleich in der Nacht ausprobieren. Die sehr  abwechslungsreiche Strecke durch den Winterwald ist bei geheimnisvollem Flutlicht eine die schönsten, die wir je erlebt haben! Am nächsten Morgen laufen wir gleich noch einmal, bevor wir am Rande der Hochfläche ins Numedal weiterfahren. Hier gibt es die schönsten Stabburs (Heustadel) und vor allem Stabkirchen. Wir können gerade noch einige Prachtexemplare in der Dämmerung besichtigen.

Unser letztes Ziel in Norwegen ist die Hauptstadt Oslo: am eindrücklichsten und fotogensten ist zweifellos der Vigeland-Park. Er ist das Lebenswerk des Künstlers Vigeland, der zwischen den Weltkriegen hier etwa 200 Skulpturen in allen möglichen Variationen geschaffen hat. Natürlich werfen wir auch einen Blick auf den Hafen und in die Innenstadt mit dem Dom - mit dem Park kann es aber nur noch die neue futuristische Oper am Oslofjord aufnehmen, die wir schon wieder in der Dämmerung sehen.

Unser Rückweg führt jetzt schnurstracks nach Süden. Die Autobahnen durch Schweden sind langweilig - das spielt aber keine Rolle, da wir sowieso wieder bei Nacht unterwegs sind. Über die "Vogelfluglinie" setzen wir bei Helsingborg nach Dänemark über. Bei Dauerregen streichen wir den geplanten Besuch von Kopenhagen und entschließen uns sattdessen, so schnell wie möglich nach Hause zu fahren.

Auf dieser Reise waren zwar unsere (Stadt-) Räder und auch die Skitourenausrüstung umsonst dabei, aber es war trotzdem interessant, außerhalb der Touristensaison ganz einsam unterwegs zu sein. Bei  200 km auf Schnee und Eis sowie Temperaturen um Null Grad war ein gutes Campingfahrzeug mit Heizung und Allrad sehr nützlich. Allerdings wäre mehr Tageslicht im Frühjahr deutlich besser, denn ein Drittel unserer Fahrt und auch der Fotos haben in der Dämmerung oder gar in der Nacht stattgefunden. Aber das ist ein guter Grund, irgendwann einmal wieder zu kommen!   

 

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2014