Die Seven Summits der Alpen

Über die höchsten Gipfel aller Alpenländer

Die „Seven Summits“ sind als die höchsten Gipfel aller Kontinente in Bergsteigerkreisen inzwischen recht bekannt geworden und wurden Traumziele vieler Alpinisten. Im Alpenraum gibt es inzwischen eine ähnlich lukrative Sammlung an berühmten Gipfeln – nämlich die höchsten Berge aller Alpenländer. Diese „Alpensummits“ haben passenderweise auch die magische Zahl Sieben. Diese Gipfel lassen sich von Allroundbergsteigern auch ohne den riesigen Aufwand wie an den Weltbergen besteigen, sind aber trotzdem nicht so leicht.

Von Ost nach West fallen darunter folgende Berge: Der Triglav als höchster Berg Sloweniens wird wohl am häufigsten bestiegen. Der Großglockner in Österreich ist bereits eine Hochtour mit fast 4000 m Höhe. Auf die Zugspitze führen Seilbahnen, aber der Jubiläumsgrat ist eine der längsten Grattouren der Ostalpen. Die Vordergrauspitze in Lichtenstein ist völlig unbekannt, erfordert aber leichte Kletterei.

In den Westalpen liegt der Gran Paradiso  ganz auf italienischem Boden und gilt deshalb als höchster Gipfel des Landes, da andere Berge jeweils „nur“ Grenzgipfel sind. Das gleiche gilt auch für den Dom auf der Schweizer Seite, aber die Dufourspitze im Monte Rosa Massiv darf als schwieriger und zweithöchster Berg der Alpen einfach nicht fehlen. Deshalb werden jetzt in der Summe sogar manchmal acht Gipfel gezählt und auch wir haben uns danach gerichtet. Beim Mont Blanc gibt es als höchster Berg Frankreichs zum Glück keine Zweifel bei der Auswahl.  

Bis auf zwei hatte ich in meiner Bergsteigerlaufbahn alle oben erwähnten Gipfel schon bestiegen. Erst nach den erfolgreichen „Seven Summits“ an den Weltbergen kam ich vor etwa 10 Jahren auf die Idee, ein ähnlich großes und attraktives Ziel in den Alpen durchzuführen, zu einem Zeitpunkt, wo noch kein Mensch davon sprach. Aber ich wollte noch einmal alle Gipfel neu besteigen, für einen Vortrag ausführlich fotografieren und etwas filmen. Außerdem war ich weniger an den einfachen Normalwegen interessiert, sondern eher an anspruchsvolleren klassischen Überschreitungen und plante als Vervollkommnung auch noch eine Umrundung zu Fuß, mit Skiern oder meist mit dem Mountainbike.

Dieses Anforderungsprofil hat die Verwirklichung ganz schön in die Länge gezogen, zumal auch die Partnerwahl für dieses Unternehmen noch eine wichtige Rolle spielte. Erst Jahre später konnte ich – zusammen mit meiner Frau – dieses Traumziel konsequent angehen: wir besteigen alle Gipfel gemeinsam innerhalb von zwei Sommern und überschreiten bzw. umrunden fast alle zusätzlich.  

 

Bergtouren im Sommer 2012

Zugspitztour bei fair means - Juli 2012

Jahrelang geplant, immer wieder verschoben: Endlich soll sie stattfinden, die Fahrt mit den Mountainbikes zur Zugspitze, um den Gipfel herum und die Überschreitung auf dem Jubiläumsgrat. Walter und Wolfgang fahren mit ihren Mountainbikes von München aus los - hochbeladen: mit Packtaschen, Zelt, gesamter Verpflegung und  Bergausrüstung ... komplett bei fair means eben, Christine stößt nach zwei Tagen in Garmisch zur Umrundung der Zugspitze dazu. Am Abend schlagen wir am Seebensee unser Nachtlager auf. Unser Zelt steht in der umzäunten Wiese einer Jagdhütte – zum Glück, sonst wären uns in der Nacht die Kühe wahrscheinlich im Zelt besuchen gekommen. So beschränken sie sich darauf, uns zu „umgrasen“ und "erfreuen" uns die ganze Nacht mit ihren laut bimmelnden Kuhglocken.

Bei wechselhaftem Wetter erreichen wir nach der kompletten Umrundung am nächsten Abend wieder unseren Ausgangspunkt und  steigen noch am späten Abend zur alten Höllentalangerhütte auf.

Von hier aus wollen wir den Jubiläumsgrat angehen, d.h. wieder by fair means von unten und nicht wie über 90 Prozent aller Anderen vom Gipfel aus bzw. der Seilbahnstation auf der Zugspitze: zunächst aufs Rinderjoch, dann über den Klettersteig auf die Alpspitze und von dort über die Grieskarscharte in Richtung Zugspitze.  Für die Via ferrata und die Klettereien im brüchigem und z. T. ausgesetzten Fels haben wir eine recht provisorische Leicht-Ausrüstung dabei (als Helme müssen die Fahrradhelme herhalten)-  trotzdem ist jeder irgendwie gesichert. Nach 12 Stunden mit Fotos und Filmen erreichen wir schon etwas ermattet endlich die Biwakschachtel - der Sternenhimmel über uns ist einfach gigantisch!

Doch am nächsten Tag liegt noch ein langes Gratstück vor uns und wir haben kaum noch etwas zu trinken übrig. Zudem wird es immer heißer und heißer - schließlich geht uns das Wasser aus, lange bevor wir den Gipfel erreichen. Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres sind wir bald völlig ausgedörrt und unsere Leistungsfähigkeit sinkt merklich.

Auf dem Gipfel angekommen kann der Kontrast zu den turnschuhbestückten Touristen, die wie aus dem Ei gepellt der Seilbahn entsteigen, nicht größer sein! Hier  verabschieden wir uns einstimmig von unserem ursprünglichen Plan – die Zugspitze komplett autark von und bis München by fair means zu besteigen - und fahren mit der Zahnradbahn knieschonend hinunter statt 2000 Höhenmeter über das Höllental selbst abzusteigen.

Bis dahin war es soweit gut, aber genug ist genug! Und es ist immer von Vorteil, wenn man seine Grenzen kennt.

 

Tour um und über den Triglav - Anfang August 2012

Im Sommerurlaub 2012 wollen wir dann die Seven Summits der Alpen von Ost nach West besteigen und starten in den Julischen Alpen. Zum Warmwerden beginnen wir mit einer viertägigen Mountainbike-Tour rund um den Triglav. Von Kranjiska Gora fahren wir über Vrsic-Pass (1611m) und am unglaublich klaren Fluss Soca entlang. Dann schlagen wir einen Wanderweg zu einer Berghütte ein, um den weitläufigen Teerstraßen rund um die Julischen Alpen aus dem Weg zu gehen

Es folgt ein langer Tag mit viel Schieben und Tragen, zwischendurch ein herrlicher Singletrail durch die Gebirgslandschaft und zum Schluss noch eine lange Abfahrt bis Stara Fuzina am Wocheiner See. Am letzten Tag geht es am See Bled entlang zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Nach einem Ruhetag wollen wir nun den Gipfel selbst besteigen – aber natürlich nicht auf dem einfachsten Weg und steigen über den Tominsek-Weg auf. Im Wald ist es zunächst sehr anstrengend, die Rucksäcke drücken und die gebauten Stufen sind hoch – wir schwitzen unglaublich. Weiter oben bleibt Christines Helm in den Latschen hängen, reißt sich vom Rucksack los und fällt und fällt – außer Sichtweite. Wir entdecken ihn einige Meter unterhalb des Weges über dem Abgrund in Kiefernzweigen hängend. Walter bastelt mit Hilfe von Tape und zwei Wanderstöcken eine lange Angel, ans vorderste Ende kommt ein Karabiner, der mit Tape zu einem Haken umfunktioniert ist. So können wir den Helm gerade noch angeln!

Nach gut gesicherten Felswegen, herrlichen Ausblicken und etwas Klettern erreichen wir die Hütte Dom Valentina Stanica (2332m), wo wir die letzten Lager erhalten. Um 6 Uhr stehen wir auf – das Wetter ist herrlich, unten im Tal liegen die Wolken, oben taucht die Sonne die Berge in leuchtendes Rot. Über den Grat geht es Richtung Triglavski Dom (2515m): diese Hütte ist  immer voll – das reinste Volksfest.

Der Triglav ist nämlich mit 2864m nicht nur der höchste Berg, sondern auch der am häufigsten bestiegene in ganz Slowenien. Teilweise gibt es lange Staus mit schon heruntersteigenden Touristen, viele davon Nichtbergsteiger. Nach der Gipfelrast steigen wir auf der anderen Seite wieder abwärts. Der lange Abstieg (ehemals Bamberger Weg) ist allerdings nochmal sehr steil, ausgesetzt, brüchig und kaum gesichert – definitiv nichts für Gelegenheitsbergsteiger.

 

Über den Stüdlgrat auf den Großglockner - Mitte August 2012

Zwei Tage später erreichen wir die Hohen Tauern und steigen hoch zur Stüdlhütte der Sektion Oberland. Am nächsten Morgen verschlafen wir – erst um 6.30 Uhr springen wir aus den Betten. Die Hochtourengeher sind schon alle weg - also nichts wie los! Beim Einstieg in den Stüdlgrat seilen wir uns an und gehen gleichzeitig. Ab dem„Frühstücksplatz“ wird es etwas schwieriger, zum Glück sind überall Haken gesetzt, manchmal sogar ein Seil oder Eisenstifte. Das Wetter ist strahlend und wir haben die ganze Zeit schöne Ausblicke.

Nach sechs Stunden erreichen wir den Gipfel: fast ganz alleine - das ist der Vorteil vom Verschlafen! Der Abstieg führt über Groß- und Kleinglockner zur Adlersruhe, der Gipfelhütte und über den aufgeweichten Gletscher zurück zur Stüdlhütte. Beim  weiteren Abstieg. geraten wir allerdings in der letzten halbe Stunde in ein heftiges Gewitter und retten uns patschnass in unser trockenes Wohnmobil!

 

Rückzug am Dom - Ende August 2012

Einige Tage später sind wir gegen Mittag im Wallis, in Randa. Dort  erfahren, dass die Domhütte in diesem Jahr wegen Renovierung komplett gesperrt ist. An so etwas haben wir überhaupt nicht gedacht und fallen aus allen Wolken!

Ein Einheimischer schlägt uns als Alternative und Ausgangspunkt die Europahütte vor, eine Wanderunterkunft auf 2200 m Höhe. Das hieße, wir hätten am Gipfeltag 2300 Höhenmeter zu bewältigen. Hmm! Wir beschließen, es wenigstens zu versuchen. Der versicherte Aufstieg zur Domhütte mitten in der Nacht ist steil, wir haben nur eine Stirnlampe und so kraxeln wir bei völliger Dunkelheit hintereinander her, immer nur den nächsten Schritt suchend. Der Sternenhimmel und die Bergsilhouetten sind dafür einfach gigantisch!

Um 4.30 Uhr erreichen wir die Domhütte – eine Baustelle. Die Wegsuche gestaltet sich jetzt schwieriger, immer wieder müssen wir nach Steinmännchen suchen und der ganze „Weg“ bis zum Festigrat ist eine einzige Geröllhalde. Das kostet uns wertvolle Zeit – man merkt einfach, dass in diesem Jahr noch kaum jemand gegangen ist. Erst um halb neun erreichen wir den Fuß des Festigrates. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit, fehlender Spuren und dem langem Rückmarsch, beschließen wir hier, vernünftigerweise umzukehren.

Nach dem Abstieg über den Gletscher steigt Christine noch über den letzten Felsblock,  rutscht jedoch mit den Steigeisen über eine Platte und knickt mit dem linken Knöchel um. Walter als Orthopäde diagnostiziert einen Bänderriss oder gar einen Knöchelbruch und  Christines Versuche, weiterzugehen, scheitern kläglich! Sie kann die fast 2000 Höhenmeter bis ins Tal nicht mehr aus eigener Kraft herunterkommen.. Wir rufen die Rettung per Handy und in kurzer Zeit kommt ein roter Hubschrauber von Air Zermatt. Zuerst wird Christine mit Gurt und Karabiner ans Seil gehängt und fliegt mit einem Arzt zur Domütte. Es ist – nach dem ersten Schreck – gigantisch! In Spital von Visp steht nach dem Röntgen fest: "Außenknöchelfraktur Weber B".

Alles in allem haben wir noch mal Glück im Unglück: nur ein glatter Bruch, der komplett von allein wieder verheilt  – nach 7 Wochen mit Vacoped-Schuh und Krücken. Der Sommer ist allerdings bergsteigerisch gelaufen – die Fortsetzung folgt erst im nächsten Jahr!

 

Viertausender-Tournee in den Westalpen - Sommer 2013

Grand Paradiso als Akklimatisationstour - Anfang August

Dieses Jahr soll alles klappen und wir trainieren dafür sogar extra in einer Höhenkammer. So haben wir genügend Zeitreserven und können als erste Tour auch gleich einen Viertausender angehen.

Wir starten im Valsavarenche von der Chabod-Hütte mit Stirnlampen. Über die Moräne bis zum Einstieg auf den Gletscher können wir sie gut brauchen.  Gegen halb neun erreichen wir die Schulter, wo von der anderen Seite die Bergsteiger von der Emanuele-Hütte heraufkommen – jetzt wird die Spur schon ziemlich voll, auf dem Gipfel aber dann wirklich sehr eng. 

Der Gipfelaufbau ist nur schwierig zu erreichen, die die hinauf und hinunter wollen, blockieren sich gegenseitig und man kommt nur schwer oder gar nicht aneinander vorbei. Wir „stehen“ erstmal lange an, dann starten wir ein erfolgreiches Überholmanöver – endlich sind wir bei der Madonna! Der Rückweg ist jedoch von nachdrängenden Gipfelstürmern verstopft und so seilen wir uns nach hinten ab auf ein 10 Meter tiefer liegendes Band und klettern unten herum zurück. Diesmal steigen wir zur  Emanuele-Hütte und am gleichen Tag ins Tal ab. Jetzt geht es weiter ins Wallis.

 

Überschreitung der Dufourspitze vom Zelt - Anfang August 2013

Ein schönes Wochenende ist vorhergesagt und alle Schlafplätze auf Dom- oder Monte Rosa Hütte sind schon reserviert. Deshalb nehmen wir gleich unser Zelt und die ganze Biwakausrüstung mit und fahren mit der Gornergratbahn gemütlich hinauf zur Station Roten Boden. Auf den Gletscher erwarten uns Schutt- und Moränenhügel, Eis und Gletscherspalten -  mit unseren schweren Rucksäcken schon eine Plage.

Die Monte Rosa Hütte ist noch knallneu, innen sehr stilecht, aber teuer und sowieso . ausgebucht Auf der Oberen Plattje finden wir den schönsten Aussichtspunkt: ein geschützter Zeltplatz auf 3200m Höhe, von wo aus wir am nächsten Morgen gleich mit Steigeisen losmarschieren können. Zelt aufbauen, kochen, Schnee schmelzen für Tee und Abendessen ... gleich zweimal stößt dabei Christine den Topf auf dem Gaskocher um.

In der Nacht spannt sich über uns ein herrlicher, klarer Sternenhimmel. Um halb drei stehen wir auf – bis wir abmarschbereit sind, kommen von der Hütte schon die ersten bei uns vorbei. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Lichterketten der Stirnlampen sich nach oben bewegen. Noch wunderbarer ist die Morgendämmerung und das „Erröten“ der Berge bei Sonnenaufgang – von Matterhorn bis Weißhorn, von Lyskamm bis Breithorn stehen sie alle da, kein Wölkchen trübt mehr die Sicht.

Allerdings ist es sehr windig und kalt, die Sonne erreicht uns erst auf dem verschneiten Westgrat mit Kletterei bis zum 3. Schwierigkeitsgrad. Endlich sind wir oben - die Rundsicht ist unbeschreiblich schön, grandios! Für unserer Überschreitung geht es an dicken Hanfseilen 100 m abwärts zum Silbersattel und zurück zum Zelt. Wir beschließen einfach noch eine Nacht zu bleiben – die Sicht ist gigantisch und hier für uns einer der schönsten Zeltplätze der Welt. Die Sonne scheint, wir haben noch genug zu essen – was will man mehr!

Am nächsten Morgen krabbeln wir zum Sonnenaufgang aus dem Zelt. Bis zur Hütte hinauf ist alles in Wolken, darüber thronen majestätisch die Viertausender, die sich schon gegen den Morgenhimmel abheben. Nachdem die Sonne auch unser Zelt erreicht hat, essen wir unsere letzten Vorräte auf und genießen den gemütlichen Rückmarsch in der Sonne.

 

Über den Festigrat auf den Dom - Mitte August 2013

Nach einem Tag Ruhepause erwarten uns schönes Wetter sowie zwei freie Plätze für zwei Nächte auf der Domhütte. Die Rucksäcke sind ohne Zelt doch deutlich leichter und so genießen wir den Nachmittag und Abend auf der Hütte mit Essen, Ausruhen und Bewundern der herrlichen Bergwelt.

Um 3 Uhr werden wir geweckt ... diesmal geht es um einiges leichter als vor einem Jahr, schon allein deshalb, weil wir uns nicht mühsam einen Weg suchen müssen, die Lichter vor uns erleichtern uns das enorm. Um 6 Uhr sind wir am Aufstieg zum Joch, den wir im Jahr zuvor über zwei Stunden später als diesmal gesucht hatten ...

Es gibt zwar etwas Stau, aber oben teilen sich dann die Wege: die allermeisten gehen den Normalweg, auf dem Festigrat sind nur zwei Gruppen vor uns. Es geht steil und vereist aufwärts - an der letzten Eiswand benutzen wir sogar unsere Eisschrauben. Schließlich sind wir oben, der Gipfel ist bezwungen und die Sicht wieder fantastisch! Zurück geht es über den Normalweg, aber wir gehen so konzentriert wie möglich talwärts – schließlich haben wir ja vor einem Jahr erlebt, wie schnell eine kleine Unachtsamkeit das Ganze beenden kann. Das war der letzte Wallis-Viertausender, nun geht es auf nach Chamonix!

 

Überschreitung des Mont Blanc - Mitte August 2013

Nach ein paar Tagen Ruhepause starten wir von der Bergstation der Aiguille de Midi (3842 m) mit Steigeisen zur nahen Cosmique-Hütte, wo wir für diese Nacht zwei Plätze reservieren konnten. Die Flanke des Mont Blanc du Tacul zeigt uns die zwei Hauptschwierigkeiten: eine große Spalte im steilen Gelände und einen Serac, der erst vor wenigen Tagen halb abgebrochen war und zwei Menschen das Leben gekostet hatte. Hauptsächlich letzteres war Thema unter den Tourengängern auf der Hütte. Trotzdem vergessen wir vor lauter Diskussionen nicht, die wunderschönen Wolkenstimmungen und den Sonnenuntergang zu bewundern.

Im stickigen Schlafsaal brauchten wir zum Glück nicht lange bleiben - um 1 Uhr ist die Nacht zu Ende und gegen 2 Uhr ziehen wir los. Die Landschaft draußen ist unbeschreiblich schön: es ist eine echte Vollmondnacht, der Gletscher hell erleuchtet, ein unermesslicher Sternenhimmel wölbt sich über uns und der Mond strahlt die Berge ringsum an.

Es geht zunächst gut voran – bis wir zu der breiten Spalte kommen: Bestimmt 25 Leute stehen schon da und warten, bis sie an der Reihe sind: 3 Meter senkrechte Kletterei im Eis mit Sicherung und zwei  Eisgeräten. Es kann immer nur einer klettern - das alles dauert seine Zeit und das bei Eiseskälte. Wir ziehen alles an, was wir zur Verfügung haben und versuchen uns irgendwie warm zu halten. Nach zwei Stunden Wartens sind wir endlich an der Reihe – einige haben bis dahin bereits aufgegeben

Nachdem wir jetzt doch viel Zeit verloren haben, wählen wir den kürzeren Weg unter dem Serac durch – nicht wirklich entspannt und erst auf dem Sattel des Mont Blanc de Tacul  geniessen wir den herrlichen Morgenhimmel mit der aufgehenden Sonne, während der Mond immer noch darüber steht. Die nächste schwierigen Etappe, das steile Joch unterm Mont Maudit müssen wir wieder sichern. Nach dem Col de la Brenva und den letzten mühsamen 500 m Höhenmeter stehen wir endlich auf dem Gipfel des Mont Blanc, dem „Dach der Alpen“! Christine ist zum ersten Mal hier oben und entsprechend "high"..

Für die Überschreitung geht es auf der anderen Seite hinunter über den Bosses-Grat bis zur Vallot-Hütte sowie über den Dome de Gouter und Gouterhütte. Bis zur Tete Rousse-Hütte sind wir insgesamt 16 Stunden unterwegs und genießen jetzt  Essen und Lager -  dass aus den Wasserhähnen kein Tropfen Wasser kommt, ist uns schließlich auch egal.

Am nächsten Morgen steigen wir ins Tal und bestaunen von unten noch mal die Höhen, die wir gestern überschritten haben – es ist schon sehr weit und ziemlich steil!

Auf dem Terassendach eines Hotels in Chamonix mit einem wunderbarem Blick auf den Mont Blanc können wir in einem „Jacuzzi“ entspannen – das gönnen wir uns jetzt. Es tut so gut, Leib und Seele baumeln zu lassen! Wir beenden den Tag mit einem gemütlichen Abend im Wohnmobil mit Prosecco, gutem Essen und Eis zum Nachtisch!

 

Tour um den Mont Blanc mit dem Montainbike - Ende August

Am Ende unseres Bergurlaubs bleibt uns nur noch die Umrundung des Mont Blanc mit unsern Mountainbikes als letzte Herausforderung -  im Uhrzeigersinn sechs Tage nur mit Rad und Rucksack. Es fühlt sich wunderbar leicht und frei an und gleichzeitig spüren wir wieder die Spannung und Abenteuerlust in uns prickeln.

Unsere Tour führt über den Col des Possettes in die  Schweizund weiter nach Martigny, Orsières und Champex-Lac. Von  La Fouly, dem letzten größeren Ort vor dem Col Ferret führt ein schöner gemütlicher Wanderweg über den Pass.Wir überholen ein paar Trekker, die alle auf der berühmten Tour du Mont Blanc unterwegs sind. Es sind sehr viele, oft geführte Gruppen, aber nur ganz wenige Mountainbiker. Die meiste Zeit haben wir die gleichen Wege.

Vom Grand Col Ferret auf 2537m Höhekönnen wir auf der italienischen Seite des Passes leider immer nur kleine Strecken fahren, da Regenwasserableiter aus scharfkantigenFelsplatten den Trail regelmäßig unterbrechen. Wir bleiben auf dem Rifugio Elena auf 2062 m, da es Richtung Courmayeur  nach stärkerem Regen aussieht.

Bei der morgendlichen Fahrt durchs Val Ferret öffnet sich ein herrliches Bergpanorama zu unserer Rechten. Auch den Mont Blanc selbst können wir bewundern, diesmal jedoch seine abweisende Nordseite mit dem berüchtigten Peuterygrat. Im oberen Val Venyöffnet sich ein wunderschönes, langgestrecktes Tal - es geht prima zu fahren, die Landschaft ist grandios.

Ab der  Elisabeta-Soldini-Hütte im Talschluß müssen wir zum Col de la Seigne auf 2516mwieder schieben. Die Abfahrt ist dafür die Wucht: die ganze Piste bis zum Refuge des Mottets ist – typisch französich - extra für Mountainbikes präpariert und diesmal müssen wir bis insTal hinunter beiLes Chapieuxkein einziges Mal absteigen. Hier haben wir Glück und bekommen das letzte freie Doppelzimmer-ansonsten ist alles voll mit Hikern: Deutsche, Engländer, Polen, Australier....

Von hier aus strampeln wir  hinauf zum Cormet de Roseland (1967 m) und rollen dann 1200 Höhenmeter hinunter - eine lange kalte Abfahrtim Schatten, dann wieder 1200 m hinauf. Die Teerstraße zum nächstenPass fällt uns so schwer! Die Kehren wollen und wollen kein Ende nehmenund erst am Spätnachmittagsind wir endlich oben: Col du Joly, 1989 m.

Von Les Contamines-Montjoiestarten wir zum letzten Tag: eine schöne Forststraße schlängelt sich an den Waldhängen nach oben. Einige extrem steile Pisten machen das Schieben eindeutig, aber manches geht auch gut zu fahren. Der Bionassay-Gletscher und der blaue Himmel laden noch zu ein paar Filmaufnahmen ein.

Auf dem Col de la Voza (1653 m)zeigen sich Dome de Gouter, Aguille de Gouter, Mont Maudit, Mont Blanc de Tacul und Aguille de Midi im schönsten Sonnenlicht und wir bestaunen noch einmal die steilen Wände, an denen wir einige Tage zuvor unterwegs waren.Am frühen Nachmittag sind wir zurück in Chamonix! Wir haben tatsächlich alles geschafft, was wir uns für diesen Urlaub vorgenommen haben!

In Chamonix finden in diesen Tagenvier ultralange Bergläufe um den Mont Blanc statt. Tausende von Läufernaus der ganzen Welt sind am Start und es ist ein tolles Schauspiel.Als es späterdunkel wird, sieht man überall die Stirnlampen an den Hängen entlang tanzen! Es ist echt verrückt – und nichts für uns!

Das Laufen und Mountainbiken ist für uns nicht nur Selbstzweck, sondern zusätzlich ein in Kontakt treten mit uns selbst und der Natur, aber auch der Kultur, in der wir uns bewegen und ihren Menschen. Das braucht Zeit und das ist auch gut so.

 

Vordergrauspitze - Ende Oktober 2013

Es ist Spätherbst geworden und vor dem Winter fehlt uns nur noch ein einziger Gipfel in unserer Sammlung – die Vordergrauspitze. Sie ist der höchste Gipfel in Liechtenstein und der unbekannteste Berg unserer Reihe. Vom Tal kann man den Gipfel kaum erkennen, doch er ist ziemlich steil und sehr schwierig zu erreichen. Zum Schluß muss man sogar am ausgesetzten Grat im brüchigen Gelände klettern.

Von der Bergstation der kleinenÄlplibahn brechen wir zur Vordergrauspitze auf. Wir sind etwas unter Zeitdruck – um 17 Uhr müssen wir die letzte Bahn nach unten wieder erwischen. Von der Alp Ilies  gibt es keinen Weg mehr, noch dazu hat es leicht zu nieseln begonnen. Wir finden anfangs noch  Pfadspuren, dann wird es jedoch steilund im grobenGeröllohne jeden Weg sehr mühsam. Bei heftigem Herbststurmerreichen wir den Grat und gelangen von dort endlich bis auf den Gipfel, den wir im Frühjahrnur umwandert haben.

 

Der letzte unserer Seven Alpensummits –  Walter war ja auf manchen im Laufe der Jahre schon mehrfach, aber gemeinsam haben wir sie nun alle innerhalb von zwei Jahren  bestiegen! Wir sind stolz und glücklich, dass uns unser großes Projekt doch noch mit einigen Abenteuern geglückt ist. Zu Hause warten dann sehr viele Bilder sowie Filmszenen, die wir für einen größeren Vortrag zusammen stellen wollen - und wir erleben dabei alle Touren noch einmal im Rückblick.

© Dr. med. Walter Treibel, 2014