Großbritannien und Irland 2012

Premierenfahrt mit dem neuen Wohnmobil

Wieder einmal steht eine Reise an - aber diesmal keine Expedition zu großen Bergzielen, sondern eine mehr kulturelle Fahrt im westlichen Europa. Es gab zwei Gründe dafür: Irland war eines der allerletzten Länder in Europa, das ich bisher noch nicht besucht hatte und außerdem wir wollten unser neues Wohnmobil in der Praxis testen.

Unsere Reise startet in Kirchheim / Teck mit einem Tag Arbeiten an unserem Mercedes Sprinter: einige Kleinigkeiten am Innenausbau waren noch nicht fertig, andere mussten verbessert oder repariert werden.  

Unsere erste Station ist Luxemburg, wo wir neben einer kurzen Besichtigung unseren großen Tank mit günstigem Diesel voll tanken. In Brüssel bestaunen wir das Atomium auf dem Gelände der ehemaligen Weltausstellung, wo gerade einige Slackline-Spezialisten in schwindelerregender Höhe von einer Kugel zur anderen balancieren.

Als nächstes setzten wir mit der Fähre nach England über und fahren durch die Innenstadt von London, was aber selbst in der Nacht kein großes Vergnügen ist. Deshalb sind wir froh, diese Riesenstadt wieder zu verlassen und besuchen lieber kleine Orte wie Cambridge oder Peterborough. Besonders gut gefällt uns - etwas abseits der üblichen Touristenrouten - Lincoln und sein schöner Dom, während uns die berühmte Kathedrale von York eher enttäuscht.

Dann steht endlich mehr Natur auf dem Programm: die Yorkshire Dales sind genauso grün wie der benachbarte Lake Distrikt. Hier kurven wir zum Teil auf ganz engen, einspurigen und steilen Bergstrassen umeinander - ein guter Test für unseren Wagen wie für unsere Fahrkünste im Linksverkehr. In Schottland kommen wir zunächst an den Ruinen der Melrose Abbey vorbei, die in der Nacht spektakulär angestrahlt werden. In der Hauptstadt Edinburgh besteigen wir ein paar Aussichtshügel und schlendern durch die Altstadt, bis wir über die Firth of Forth Bridge in die Highlands weiterfahren. 

In Fort Williams treffen wir Freunde, mit denen wir gemeinsam den Ben Nevis, den höchsten Berg der britischen Inseln besteigen. Er ist zwar nur 1344 m hoch, aber dafür startet man auf Meereshöhe zusammen mit vielen anderen Wanderern. Aber da wir nach dem Gipfel gleich noch zwei Nachbarberge auf einer interessanten Gratroute besteigen, kommen wir an diesem Tag auf 1850 m Höhenunterschied!

Am Loch Ness und Inverness vorbei geht es weiter nach Norden und dann an die karge schottische Westküste. In der Nähe von Ullapool finden wir unseren schönsten Nachtplatz neben mehreren Stauseen und testen auf steilen Schotterstrassen gleich die Geländegängigkeit unseres Allrad-Fahrzeuges. Weiter an der Küste entlang passieren wir das fotogene Eilean Donan Castle und machen eine Radtour auf der Isle of Skye. An einem Regentag geht es an Glasgow vorbei wieder in den Süden, wo wir mit der Fähre nach Nordirland überwechseln.

Von Belfast geht es dann zum Naturdenkmal Giant`s Causeway, wo Tausende von Basaltsäulen direkt am Meer aus dem Boden ragen.

In der Republik Irland gibt es wieder den Euro und das Benzin wird zum Glück etwas billiger. Nach keltischen Ruinen und hohen Klippen an der Westküste erleben wir einen schönen Sonnenuntergang direkt von unserem Nachtplatz am Meer. Beim Weiterweg an der abwechslungsreichen Westküste wird das Wetter leider schlechter. Die berühmten Klippen von Moher ragen fast 500 m über dem Meer auf und wir stehen ganz nahe am Abgrund!

Im Südwesten von Irland liegt der höchste Berg des Landes, der Carountoohill, mit 1035 m ein ähnlicher Wanderberg wie der Ben Nevis. Da wir aber von einer völlig unüblichen Seite aufsteigen, gibt es nicht mal einen Weg und wir mühen uns über sehr steile Grashänge ab. Dafür sind wir - bis auf den Gipfel - so ziemlich alleine unterwegs und haben unser Abenteuer. 

Der bekannte Ring of Kerry ist lange nicht so spektakulär wie versprochen, dafür unser Nachtplatz am Ring of Beara.

Jetzt wir es Zeit für die Rückfahrt, zumal auch noch der typische Regen einsetzt, dem die Insel ihre intensive grüne Farbe verdankt. Über die Südküste fahren wir Richtung Osten und setzen mit der Fähre nach Wales über. Aber auch hier regnet es in Strömen und wir besuchen Stonehenge bei Sturm und unter Regenschirmen.

In Canterbury kommen wir am Abend gerade noch in die Kathedrale hinein, dann stehen wir wieder in Dover am Hafen. Mit einer Nachtfähre geht es zurück aufs europäische Festland. In Frankreich verlieren wir immer mehr Kühlwasser, fahren aber nach einem Werkstattbesuch ohne Reparatur mit ständigem Nachfüllen weiter zurück in die Heimat. Als Abschluss unseres Urlaubs feiern wir mit Freunden eine Hochzeit und erreichen nach drei erlebnisreichen Wochen wieder unseren Ausgangspunkt.

Großbritannien und Irland waren kulturell und landschaftlich interessant, das Wetter insgesamt recht passabel und die Testfahrt  mit dem neuen Wohnmobil trotz des Linksverkehrs und kleinerer Probleme gut gelungen. Als nächstes warten aber wieder mehr bergsteigerische Herausforderungen in den Alpen.

© Dr. med. Walter Treibel, 2012