Gasherbrum II - Pakistan 2000

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Mitte Juni fliegen wir mit insgesamt 13 Bergsteigern nach Pakistan. Ralf Dujmovits ist der Leiter, ich selber wieder einmal Expeditionsarzt. Nach zwei Tagen Vorbereitung in Rawalpindi bzw. Islamabad fahren wir weitere zwei Tage auf dem berüchtigten Karakorum Highway nach Skardu. Von dort aus geht es mit Geländewagen auf abenteuerlicher Strecke bis ins letzte Dorf Askole.

Hier beginnt unser Anmarschweg, zusammen mit unserer großen Trägerschar. In Paju, dem letzten Rastplatz vor dem gewaltigen Baltorogletscher, legen wir traditionsgemäß einen Rasttag ein - bei dieser Gelegenheit muß ich einem Träger unter örtlicher Betäubung einen schmerzenden Backenzahn ziehen, der völlig kariös ist. Er übersteht diese Behandlung gut und läuft danach ohne Probleme bis zum Basislager in 5000 m Höhe mit, das wir nach sieben Trekkingtagen erreichen.

Hier werden die Träger ausbezahlt und laufen zurück, während wir uns erst einmal einrichten und akklimatisieren. Dann beginnt das übliche Spiel: Aufstieg zum ersten Hochlager und Gepäckdepot, beim zweiten Versuch auch mit Übernachtung, dann in einem weiteren Vorstoß mit Aufstieg bis zu einem Zwischenlager in etwa 6300 m - dazwischen sind immer wieder Rasttage nötig.

Danach wird unsere Geduld auf eine sehr lange und frustrierende Probe gestellt: ganze 11 Tage werden wir durch Schlechtwetter im Basislager festgehalten. Erst am 40. Tag unserer Expedition können wir dann - schon mit etwas reduzierter Mannschaft - zu einem letzten Gipfelversuch unter Zeitdruck starten. Vom Hochlager 1 geht es zu unserem alten Lager-Depot, von dem wir unseren Übernachtungsplatz nach oben auf 6900 m Höhe verlegen.

Das Wetter ist jetzt endlich gut und so starten wir mitten in der Nacht zum Gipfelversuch. Den Sonnenaufgang erleben wir bereits auf etwa 7500 m. Weiter oben wird es dann sogar so warm, dass ich einen Teil meiner warmen Kleidung deponiere. Auf den letzten Hängen zum Gipfel macht sich natürlich schon eine gewisse Erschöpfung bemerkbar, aber wir können fast alle zusammen auf dem Gipfel in 8035 m eine herrliche Aussicht - vor allem zum gigantischen K2 - geniessen.   

Beim Rückweg müssen wir einen Langsameren aus unserer Gruppe zum Umkehren bewegen und übernachten noch einmal im Hochlager. Der weitere Abstieg ins Basislager setzt mir mit zunehmender Müdigkeit körperlich sehr zu - vielleicht war das Training mit nur acht Mountainbiketouren doch etwas zu wenig. Obwohl geistig noch voll konzentriert, muß ich mein schweres Gepäck deponieren, um noch rechtzeitig das Basislager zu erreichen, während Andere noch einmal im Hochlager 1 übernachten. 

Am nächsten Tag sind alle im Basecamp angekommen und der Erste startet gleich zum schnellen Rückmarsch. Während Einige noch etwas mehr Zeitreserven haben, folgt nach nur einem Ruhetag eine zweite vierköpfige Gruppe. Dabei überschreiten wir noch den Gondokoro La, einen 5800 m hohen, aussichtsreichen Pass. Mit Gewaltmärschen erreichen wir bereits am dritten Tag das Hushe-Valley und schließlich Skardu.

Die Rückfahrt auf dem staubigen Karakorum Highway ist noch einmal ein großer Streß, da wir die ganze Strecke in einem durchfahren, wobei der Fahrer zum  Schluß ausgewechselt werden muß. Wir erreichen Rawalpindi nur wenige Stunden vor unserem Abflug - es langt gerade noch zum Duschen und Umpacken, bevor wir nach sieben Wochen etwas müde, aber stolz wieder nach Hause fliegen. 

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2011