Bhutan und Snowman-Trek 2006

Wieder einmal geht es nach Zentralasien - unser Ziel ist diesmal das buddistische Königreich Bhutan im Osten des Himalaya. Dieses exotische Bergland hatte sich jahrelang abgeschottet und sich erst sehr spät dem Tourismus geöffnet. Auch heute werden nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern ins Land gelassen, was einfach durch hohe Preise reguliert wird. Für 200 Dollar pro Tag ist allerdings dann auch ein voller Service geboten wie Transporte, Besichtigungsprogramme, Übernachtungen oder Begleitmannschaft und Tragtiere für Trekkingtouren.

Unser Ziel ist der anspruchsvolle Snowman-Trek, der über mehrere 5000 m hohe Pässe führt. Aufgrund seiner Länge und Schwierigkeit wird er nur von etwa 10 Gruppen pro Jahr begangen. Hauptprobleme sind das Wetter mit plötzlichen Schneefällen und die Schwierigkeit, genügend Tragetiere zu bekommen. In der Vormonsunzeit sind die Yaks noch zu schwach bzw. werden auf den Feldern gebraucht und in der kurzen Nachmonsunzeit sind die hohen Pässe nur während weniger Wochen begehbar.

Auch unsere Anreise fällt aus dem Rahmen - wir fliegen zuerst nach Kalkutta am Ganges-Delta. Hier sind gerade sintflutartige Regenfälle niedergegangen und die meisten Straßen stehen unter Wasser. Im Bazar müssen wir durch riesige Wasserpfützen laufen, um uns für die Tour noch große Regenschirme zu kaufen. Bhutan ist sehr grün, aber das kommt durch viel Niederschlag!

In Bhutan empfangen uns tatsächlich erst mal dichte Wolken und Regen. Nach einem Zwischenstopp in der Hauptstadt fahren wir über einen 3000 m hohen Pass ins Gebirge nach Punakha, wo wir unser erstes Kloster, einen imposanten Dzong besichtigen. Dann geht es mit dem Geländewagen bis ans Ende der abenteuerlichen Schotterstraße. Hier werden unsere Lasten auf Pferde verladen, dann beginnt der erste Trekkingtag im Regen. Dafür können wir am Spätnachmittag noch einmal heiße Quellen geniessen und erneut ein Kloster besichtigen. 

Unser Weiterweg führt durch dichten Urwald. Hier begegnen wir vielen Einheimischen, die gerade zu einer Volkszählung aus ihren Bergdörfern ins Tal zum Registrieren gehen. Mit ihren bunten Gewändern und vor allem dem ungewöhnlichen Kopfschmuck, einem Spitzhut, sind die Frauen äußerst fotogen. Die Einheimischen sind noch völlig unverdorben, natürlich und haben ihre Identität bewahrt.

Auf 4000 m Höhe wechseln wir zum ersten Mal unsere Tragtiere: die Pferde werden durch robustere Yaks ersetzt. Bereits am 6. Tag unseres Trecks überqueren unseren ersten verschneiten Pass über 5000 m Höhe. Die Landschaft ist großartig, wild und absolut einsam!

Erst zwei Tage später treffen wir wieder auf Dörfer. Da gerade Schulferien sind, schlafen wir teilweise im Schulhaus - außer unseren Zelten finden wir sonst keine Möglichkeiten für Übernachtungen. Im nächsten Ort gibt es die einzige Radioverbindung zur Außenwelt - wir sind jetzt eine Woche unterwegs, haben noch eine Woche vor uns und ein eventueller leichterer Fluchtweg in die Zivilisation würde ebenfalls so lange dauern!

Hier wechseln wir die Tragtiere erneut - die neuen Yaks sind noch kräftiger. Auch laufen einige unbeladene mit als Reserve für eventuelle Ausfälle oder zum Spuren im tiefen Schnee. Bei Regen geht es weiter und am nächsten Morgen sind die Yaks und unser Lager in 5000 m eingeschneit. Wir überschreiten weitere drei Pässe über 5000 m zum Glück bei Sonnenschein,erleben aber dann auf dem Weiterweg noch Nebel und Gewitter sowie verschlammte Wege. 

Gegen Ende der Tour bekommen wir wieder Pferde sowie auch Träger für unser Gepäck und feiern am letzten Tag gemeinsam mit unserer Mannschaft bei einem Lagerfeuer den erfolgreichen Abschluß unseres Trekking-Abenteuers. Der Snowman-Trek ist zweifellos einer der schönsten bzw. anspruchvollsten auf der ganzen Welt und wir sind restlos zufrieden!

Wir werden von einem Geländewagen abgeholt und fahren zurück in die kleinste Hauptstadt der Welt Thimphu. Dort wird extra für uns ein wirklich schöner Folklore-Abend mit Musik und Tänzen veranstaltet. Wir können uns nur mit Jodel-Einlagen von Paula revanchieren. Am letzten Tag in Bhutan besuchen wir noch das berühmte Tigernest, ein eindrucksvolles Kloster an einem steilen Felshang. 

Voll mit unvergeßlichen Eindrücken fliegen wir ins schwül-heiße Kalkutta zurück. Wieder erleben wir starken Regen und überschwemmte Straßen. Ein Besuch des heiligen Ganges und des farbigen Blumenmarktes bildet den würdigen Abschluß unserer exotischen Reise.

© Dr. med. Walter Treibel, 2011