Ruwenzori und Gorillas in Ostafrika 2002


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Anfang August 2002 kann ich mir endlich einen langgehegten Wunsch erfüllen. Nachdem ich keine Mitfahrer für eine privat organisierte Tour zum dritthöchsten Gipfel Afrikas gefunden hatte, frage ich bei der Firma Hauser-Exkursionen nach einer Mitfahrgelegenheit in einer Gruppe an. Diese bieten mir gleich die Führung einer mehrköpfigen internationalen Gruppe an (3 Deutsche, 1 Österreicher, 2 Niederländer). Die achttägige Rundtour zu den "Mondbergen", in denen der Nil entspringt, wird ein großes Erlebnis. Wir laufen sechs Tage in Gummistiefeln durch extremen Urwald in einem der regenreichsten Gebiete der Welt und steigen dabei über bemooste Felsen (bis zum 2. Schwierigkeitsgrad!), glitschige Wurzeln oder durch Sümpfe und Bäche. Lediglich am ersten Tag kommen Trekkingschuhe zum Einsatz, während wir andererseits für den Gipfel steigeisenfeste Stiefel brauchen. Von der höchsten Hütte (4.500 m) geht es über glatte Felsen auf den Gletscher und weiter bis unter den Hauptgipfel. Das letzte Stück ist Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad und wird mit Fix- und Sicherungsseilen überwunden. Alle, bis auf einen Teilnehmer, erreichen den Ruwenzori-Gipfel (5.150 m) und sind stolz und glücklich.

Am letzten Tag erkrankt einer der Träger schwer an Malaria, so daß ich ihn mit hohen Dosen Tabletten behandeln muß. Zum Abstieg wird er in meinen Rucksack gesetzt und von einem kleinen Trägerteam ca. 1.000 Höhenmeter über schwieriges Geh- und Klettergelände ins Krankenhaus transportiert. Dank der Vorbehandlung überlebt er diese Strapazen, und ich bin froh, als alle Teilnehmer und Träger gesund wieder den Ausgangspunkt erreichen.

Die restliche Tour in Uganda wird viel gemütlicher: Tier-Safari im Queen-Elisabeth-Nationalpark mit einem Boot im Kazinga-Kanal (Hippos, Wasserbüffel, viele Vogelarten) und mit einem Vierradfahrzeug im Gelände (Antilopenarten, Affen, Elefanten und sogar Löwen). Nach einer Bootsfahrt im Mburo-Nationalpark verabschiedet sich die Hälfte der Gruppe und fährt zurück zum Ausgangspunkt.

Zu viert fahren wir für ein (teures) Zusatzprogramm ins benachbarte Ruanda. Dort ist nach einem verheerenden Bürgerkrieg mit Tausenden von Toten vor einigen Jahren wieder Ruhe eingekehrt, und so können wir in unserem Landrover mit Fahrer die Grenze passieren. Im Grenzgebiet gibt es einige der noch lebenden Berggorillas (insgesamt ca. 600), deren Existenz durch Wilderer und Urwaldrodungen stark gefährdet ist. Der Film über das Lebenswerk von Diana Fossey "Berggorillas im Nebel" hat dies eindrucksvoll gezeigt. Durch einen streng limitierten und sehr teuren Tourismus zu Gorilla-Familien, die sich an Menschen gewöhnt haben, werden diese letzten Berggorillas indirekt geschützt.

Im Urwald geht es zunächst steile Berghänge hinauf, bis wir im Unterholz die ersten Gorillas sehen. Unerwarteterweise kommen wir dabei z.T. so nahe an die Tiere heran, daß keine Teleobjektive zum Fotografieren nötig sind. Der Anblick dieser friedlichen Pflanzenfresser ist sehr beeindruckend, vor allem wenn man weiß, daß 99% der Gene dieser Menschenaffen mit den menschlichen identisch sind. Wir haben das seltene Glück, daß wir das Zusammentreffen zweier Familien erleben. Dabei jagt allerdings der stärkere Silverback (= Häuptling) das andere Familienoberhaupt in die Flucht und läßt auch uns etwas bange werden. Viel zu schnell ist die erlaubte Stunde herum, und voll intensiver Eindrücke machen wir uns wieder auf den Rückweg. Der Mehraufwand an Zeit und Geld hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Wieder zurück am Ausgangspunkt Entebbe besuchen wir noch eine Schimpanseninsel im Viktoriasee. Hier werden aus dem ganzen Land Schimpansenwaisen angesiedelt, die meist aus Brandrodungsgebieten stammen und ohne menschliche Hilfe nicht allein überleben würden. Da diese Tiere deshalb auch leicht verhaltensgestört sind, macht uns dieser Besuch allerdings sehr nachdenklich. Gehen uns die Schimpansen und Gorillas vielleicht nur voraus?

Zum Abschluß gibt es nochmals ordentlichen Streß: Ein professioneller Dieb hat mir aus meiner Fototasche nicht nur einige Euros, sondern auch meinen Paß gestohlen. Es kostet einige Nerven, am Sonntagnachmittag wenige Stunden vor dem Abflug bei der deutschen Botschaft notfallmäßig ein Ersatzdokument zu besorgen, damit ich überhaupt heimfliegen kann!

© Dr. med. Walter Treibel, 2011