Nepal und Tibet 2004

Westnepal, rund um den Kailash, Gurla Mandata und Lhasa
 

Diesmal sind wir 17 Teilnehmer, ganz gemischt aus Bayern und Wien, sowie aufgeteilt in eine Expeditionsmannschaft und eine Trekkinggruppe, bei der sogar zwei Neulinge dabei sind. Ich selbst bin diesmal nicht nur Expeditionsarzt, sondern auch der Leiter der Gruppe, so daß ich diesmal besonders viel Streß habe. Zudem sind wir leider nicht ganz eigenständig unterwegs, sondern zusammen mit einer kommerziellen Gruppe auf dem gleichen Permit für unseren geplanten Gipfel.

Bei unserer Ankunft in Kathmandu fehlt schon der Seesack einer Teilnehmerin, den wir erst am Reiseende wieder bekommen - kein gutes Omen! Wir improvisieren mit der Ausrüstung und Kleidung, so gut es geht. In Kathmandu sind gerade politische Unruhen mit Demonstrationen und Polizeisperren. Trotzdem sind wir zwei Tage mit Besichtigungen unterwegs, bevor wir nach Nepalgunj ganz an der indischen Grenze weiterfliegen. 

Von hier aus geht es mit einem gecharterten Hubschrauber direkt nach Simikot in Westnepal, wo unsere Trekkingtour mit Pferden als Tragtieren beginnt. Sie dient uns hauptsächlich zum Eingewöhnen und Akklimatisieren. Zwischendurch müssen wir noch viel "Wegezoll" für die hier herrschenden Maoisten bezahlen und bekommen dafür sogar eine "Spendenquittung"!

Im letzten Hochlager am 5. Tag wird eine Teilnehmerin höhenkrank, kann aber mit Medikamentenbehandlung weitergehen. An diesem Tag überschreiten wir einen 4800 m hohen Pass und erreichen über eine Fußgängerbrücke ("Friendship-Bridge") tibetisches Territorium und den chinesischen Zoll. Hier erwarten uns Geländefahrzeuge, die uns zum heiligen Manasarowar See und verschiedenen Gompas bringen. Nach über einer Woche Trekking geniessen wir warme Duschen in einer primitiven Badeanstalt, die unsere Lebensgeister wecken.

Von Ausgangsort Darchen machen wir noch eine weiter Akklimatisationstour, bevor wir zur Umrundung des Mount Kailash aufbrechen. Er ist der heiligste Berg der Welt, weil er von mehreren Religionen (vor allem Buddhisten und Hinduisten) verehrt wird. Um ihn herum entspringen außerdem vier große Ströme Asiens (Indus, Brahmaputra, Sadletsch und ein Nebenfluß des Ganges). Dieser Berg hat wahrhaftig eine besondere Ausstrahlung und ist auch noch nie bestiegen worden. 

Unsere Tour führt in drei Tagen um das Bergmassiv herum, wobei diesmal unsere Ausrüstung von Yaks getragen wird. Über den "Platz des Todes" und den 5600m hohen Dölma La geht es zurück nach Darchen. Leider gibt es hier bereits die ersten Spannungen mit der Parallelgruppe, die die Stimmung etwas beeinträchtigen. 

Nach einem wohlverdienten Ruhetag am Manasarowarsee und nochmaligem Duschen trennt sich unsere Gruppe. Ein kleinerer Teil fährt über Land zurück, entweder direkt nach Kathmandu oder mit einem Besuch von Lhasa verbunden. Die Expeditionsmannschaft erreicht in zwei Tagen das 5600m hohe Basislager der Gurla Mandata (7770 m) mit Geländefahrzeugen und Yaks. 

Nach Akklimatisieren und einer Opferzeremonie errichten wir in mehreren Etappen die Lagerkette bis zu einem Hochlager in 7000 m Höhe. Es ist sehr mühsam, die Plätze für die Zelte freizuschaufeln und bei einem Zelt sind auch noch die falschen Stangen eingepackt. Ein Teilnehmer wird außerdem höhenkrank und braucht Medikamente. Wir sind deshalb froh, als wir nach einer recht ungemütlichen Nacht wieder das Basislager erreichen. 

Nach zwei Ruhetagen entschließen wir uns zum Gipfelaufstieg und erreichen unser neues Hochlager in 6800 m. Von hier aus steigen wir weiter auf bis auf eine Höhe von über 7500 m, nur etwa 200 m unter dem Gipfel. Durch falsche Informationen haben wir aber nicht genügend Seile zum Sichern dabei und entschließen uns nach längerem Überlegen, aus Sicherheitsgründen zur Umkehr. Erst ein Jahr zuvor war es genau hier zu einem Unfall gekommen, der zum Glück glimpflich ausging.

So kehre ich bereits das zweite Mal bei einem ganz hohen Berg kurz unterhalb des Gipfels um. Während einige in der Gruppe darüber doch recht enttäuscht sind, bin ich als Leiter froh, daß es zu keinem Unfall gekommen ist. Natürlich ist ein Mißerfolg immer frustrierend, aber die Voraussetzungen waren eben nicht günstig: Spannungen zwischen beiden Gruppen und sogar innerhalb derselben sowie schlechte Ausrüstung und Verpflegung durch die einheimische Agentur, die uns deswegen hinterher einen Teil der Kosten erstatten muß. 

Wenigsten versöhnt uns der letzte Teil unserer Reise mit dem fehlenden Gipfelerfolg. Wir fahren zwei Tage durch das tibetische Hochland und verabschieden uns dann von einem größeren Teil der zwei Gruppen, die direkt nach Kathmandu zurückfährt. In einer harmonischeren Kleingruppe besichtigen wir noch die Klösterstädte von Shigatse und Gyantse sowie Lhasa mit dem Potala und Jokang sowie die umliegenden Klöstern von Drebung und Sera. 

Ein Flug an der Himalayakette entlang bringt uns wieder nach Kathmandu. Zu Hause in München werden wir nach sechs Wochen Abenteuer am Flughafen von unseren Freunden mit einer zünftigen bayerischen Brotzeit empfangen.

© Dr. med. Walter Treibel, 2011