In Ladakh mit dem Mountainbike

Bei unserem Flug nach Indien sind diesmal die Mountainbikes dabei - wir wollen in Ladakh die höchsten Straßenpässe der Welt befahren. Am Flughafen von Delhi werden wir von unserer Agentur mit einem Toyota Geländewagen abgeholt, dann die Räder aus den Kartons zusammengebaut und direkt im Wageninneren verstaut.

Unsere Fahrt führt uns zunächst nach Amritsar, dem Hauptsitz der Sikh-Religion mit dem Goldenen Tempel. Seit meinem ersten Besuch 1982 hat sich die exotische Atmosphäre kaum geändert. Als Kontrastprogramm besuchen wir als Nächstes den Exilort des Dalai Lama in Dharamsala. Von Manali am Fuße des Himalaya geht es bei Regenwetter auf endlosen Kehren über den Rothang-Pass. Danach folgen weitere 5000 m Pässe, die aber bereits im Monsunschatten des Himalaya-Hauptkammes liegen.

Nach einer knappen Woche haben wir Leh, die Hauptstadt des buddhistischen Ladakhs erreicht und akklimatisieren uns erst einmal zu Fuß und mit dem MTB. Um uns noch besser an die Höhe zu gewöhnen, schließen wir eine kurze Trekkingtour an und versuchen, den Gipfel des Stok Kangri zu besteigen. Kurz vor dem Gipfel, aber schon über 6000 m kehren wir wegen eines Schlechtwettereinbruchs um: Es schneit stark und wir können beim Abstieg kaum noch unsere Spuren wiederfinden. 

Inzwischen kommen wir aber mit der Höhe besser zurecht und starten unsere erste Mountainbike-Tour. Vom bekannten Kloster Lamayuru fahren wir mit Gepäck über einen 4000 m Pass und dann bei Regen über ein wildromantisches Tal ab ins Industal auf etwa 2800 m. In der ursprünglichen Ortschaft Dha sind wir schon ganz nahe der pakistanischen Grenze und die Bevölkerung islamisch. Mit dem öffentlichen Bus geht es wieder am Indus entlang zurück nach Leh. Bei einer eingestürzten Brücke sind wir die Einzigen, die ihre Fahrzeuge über den Fluß tragen können.

Nach einem Ruhetag fahren wir nur mit Tagesgepäck von Leh 2000 Höhenmeter hinauf zum höchsten fahrbaren Pass der Welt. Der Khardung La ist angeblich 5500 m hoch - mein Höhenmesser zeigt aber deutlich weniger an. Trotzdem ist es natürlich eine sehr anstrengende Tour und ein Rekord dazu.

Bereits am nächsten Tag packen wir unsere Sachen aufs Rad und starten zu unserer großen Tour, die wir autark geplant haben. An den Klöstern Tikse und Hemis vorbei fahren wir das Industal  immer weiter aufwärts, bis wir über einen hohen Pass zum Tso Moriri See in 4600 m kommen. Über den nächsten 5000 m Pass fahren wir mit unserem ganzen Gepäck (inklusive Zelt, Isoliermatten, Schlafsäcke, Kocher und Verpflegung) zurück zur Hauptstraße nach Manali.

Der Verkehr hier ist mit LKW-Kolonnen und Militärfahrzeugen ziemlich dicht und die Staße sehr staubig , sodass wir lieber mit LKWs mitfahren - bei dem üblichen Fahrstil eine sehr abenteuerliche Angelegenheit. Ein Nachtbus bringt uns zum Abschluß nach Delhi zurück.

© Dr. med. Walter Treibel, 2011