Südamerika - mit Wohnmobil und Kindern
Uruguay, Argentinien, Bolivien und Chile (21.5. - 1.8.2019)

Einführung

Als wir 2012 unser Wohnmobil gekauft und eingerichtet haben, hatten wir noch die gesamte Panamericana von Alaska bis Feuerland geplant. Vor allem aus zeitlichen Gründen und wegen unseren Kindern haben wir dieses Ziel auf den südamerikanischen Kontinent reduziert. Diese große Reise hat eine längere Vorbereitung mit einigen, auch beruflichen Veränderungen erfordert. Aber im Mai 2019 geht es endlich los.

Der folgende Bericht ist chronologisch geschrieben, die Bilder haben wir zur einfacheren Übersicht jedoch länderweise geordnet, da wir mehrfach die Ländergrenzen überschritten haben. Zum besseren Verständnis werden zum ersten Mal auch Legenden zu den einzelnen Bildern eingefügt.

 

Teil 1: Uruguay und Nordargentinien

Wir fliegen problemlos über Madrid nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Unser erster Eindruck von Südamerika ist eine Mischung aus Südeuropa, Nordafrika und Nordamerika.Da wir wegen Schiffsverspätung auf unseren Sprinter noch ein paar Tage warten müssen, sind wir erst mal auf Hotels angewiesen. Wir schauen uns zunächst Montevideo an (Stadtmitte, Hafen und ein Museum).

Der folgende Ausflug mit Bus und Fähre nach Buenos Aires ist organisatorisch schon aufwendiger. Die Hauptstadt Argentiniens liegt gegenüber der breiten Mündung des Rio del la Plata und ist mit 15 Millionen Einwohnern die größte und lebendigste Metropole in Südamerika, aber gleichzeitig ziemlich hektisch und anstrengend. Dort besuchen wir auch ausgewanderte Verwandte, die allerdings in zweiter und dritter Generation kein Deutsch mehr sprechen.

Wieder zurück in Montevideo können wir nach insgesamt 10 Tagen Warten dann endlich unseren Sprinter am Hafen in Empfang nehmen, wobei die Zollformalitäten noch einmal einen Tag und einige Nerven kosten. Anschließend fahren wir aufs Land zum Campingplatz einer deutschen Auswandererfamilie, wo wir ein paar mitgebrachte Sachen abliefern und unseren Sprinter startklar machen.

Neben Umpacken und Deponieren betreffen die Vorbereitungen z.B. den Aufbau unseres Dachgepäckständers aus den Aluprofilen, die wir für die Absperrung zur Fahrerkabine während der Überfahrt verwendet haben. Vor unserer Abreise aus Uruguay müssen wir auch noch etwas mühsam Gasflaschen organisieren, da wir unser eigenen nach einem Schiffsuntergang wenige Wochen vorher wegen übertriebenen Sicherheitsbestimmungen nicht mitnehmen durften. Auch das Auffüllen dieser Gasflaschen gestaltet sich schwierig, da es hier natürlich andere Anschlüsse gibt.

Dann können wir endlich im eigenen, voll eingerichteten Wagen starten. Beim Fahren gibt es zunächst keine Probleme. In der eintönigen Pampa legen wir ca. 400-500 km/Tag zurück, danach deutlich weniger. Allerdings steigt unser Spritverbrauch durch Übergewicht und Gegenwind sowie später auch durch Pisten und die Höhe deutlich an.

Was das Wetter angeht, werden wir nur am Ankunftstag in Montevideo mit Regen empfangen, dann bleibt es für die nächsten acht Wochen trocken. Tagsüber ist es meist sonnig und warm (auch über 20 Grad), aber in der Nacht z.T. sehr kalt. An den manchmal starken Wind im Hochland muss man sich auch erst gewöhnen. Nachdem hier gerade Spätherbst bzw. Winter ist, treffen wir außer bei den großen Nationalparks nur auf wenige andere Touristen.

Wir sind in den Städten und auch auf manchen Bergstraßen sehr froh um unsere kompakten Wohnmobil-Ausmaße und schlafen mit unserem unauffälligen „Lieferwagen-Sprinter“ auch mehrfach mitten in der Stadt (zweimal sogar jeweils 50 m von Polizeistation und Kinderspielplatz entfernt).

Ein typischer Tagesablauf sieht bei uns etwa folgendermaßen aus: wegen der Kälte stehen wir erst lange nach Sonnenaufgang auf. Mit einem ausgiebigen Frühstück und Aufräumen kommen wir dann meist am späten Vormittag los. Das Tagesprogramm ist ganz unterschiedlich: Besichtigungen und kleine Spaziergänge, Besorgungen und Spielplätze oder manchmal auch reine Fahrtage, dazwischen Foto- und Essenpausen. Während Andere schon am Nachmittag ihr Quartier suchen, fahren wir meist bis Anbruch der Dunkelheit, um die schönsten Fotostimmungen auszunutzen. Außerdem sieht uns dann meist keiner, da wir uns beim Übernachten fast immer ohne Campingplatz frei in der Natur stellen, wobei es im Internet zum Glück einige Vorschläge dazu gibt (App „iOverlander).

Die landschaftlichen Höhepunkte beginnen mit der Andenkette etwa ab Salta: wir erleben eindrucksvolle Schluchten und mehrfarbigen Berghänge, Bergdörfer und Indiomärkte sowie die ersten Salzseen. Insbesondere die Gegend um Humahuaca ist spektakulär und ein Eldorado für Fotografen.  

 

Teil 2: Süd-Bolivien

Nach Bolivien starten wir mit über 200 l Spritreserven, da es entweder gar keine Tankstellen gibt oder nur Diesel mit einem zu hohen Schwefelanteil, der über kurz oder lang den Dieselpartikelfilter verstopft. Hier verbringen wir gleich mehrere Tage im Andenhochland in über 4000 m Höhe (maximal 4950 m) und schlafen dreimal etwa auf Höhe des Matterhorngipfels (4400 m). Die Höhe vertragen wir relativ gut, nur Isabella hat etwas Probleme. Deshalb ist eine Kontrolle der Sauerstoffsättigung mit unserem Pulsoxymeter schon recht wichtig. Annalenas 2. Geburtstag verbringen wir fast den ganzen Tag auf 4350 m Höhe.

Die Temperatur tagsüber ist trotz der Höhe durchaus warm, aber nachts wird es z.T. sehr kalt - außen meist 6-10 Grad minus (minimal -14 Grad!), innen ist es dank zusätzlicher Isolationen und Heizung ca. 8-10 Grad wärmer. Trotzdem vereist unser Abwassertank öfters und wird erst im Laufe des nächsten Vormittags wieder voll funktionsfähig. Auch deshalb schlafen wir recht lange und warten auf die wärmende Sonne.

Für die Lagunen-Tour, die größte Attraktion in Bolivien, von Tupiza bis Uyuni lassen wir uns sechs Tage Zeit. Dann sind es nochmal zwei Tage über den Salar de Uyuni - diesen größten Salzsee der Welt habe ich schon 12 Jahre zuvor mit dem Mountainbike überquert. Insgesamt fahren wir hier in einer Woche fast 1000 km Piste, teilweise der übelsten Waschbrettsorte. Wir treffen dabei kaum andere Autoreisende und sind anfangs auf unserer Nebenstrecke so ziemlich alleine unterwegs, da die Saison erst anfängt. Auf der Hauptroute begegnen wir dann doch einer Menge Touristenautos - am Treffpunkt von heißen Quellen habe ich mal nachgezählt: genau 25 kommerzielle Toyota Landcruiser (meist V8) und wir als einzige Selbstfahrer! Genau das hat sich aber für uns gelohnt.

 

Sehr spannend sind auch unsere sonstigen Erfahrungen, z.B.  mit unserer neuen Filmdrohne, wobei der erste Satz Propeller durch eine Felswand schnell geschrottet wurde. Die elektrische Energieversorgung im Auto mit drei Solarpaneelen, vier Batterien und Stromwandler ist so gut, dass wir alle Akkus laden können und die Bilder und Filme komplett bearbeiten können. Einen Internetanschluss und selbst ein Mobilfunknetz finden wir allerdings nur selten. Unser Spanisch ist natürlich noch sehr verbesserungswürdig, aber die Leute sind meist recht hilfsbereit.

 

Teil 3: Nord-Chile und Argentinien

Nach dem Abenteuer Bolivien erreichen wir Calama, die erste größere Stadt in Chile, die einen ziemlichen Wildwest-Eindruck macht. Die Versorgung und Wartung kostet uns einen ganzen Tag: Tanken, Wasser, Großeinkauf, Wäschewaschen (es gibt keinen Selfservice) sowie Auto- und Unterbodenwäsche in einem Hinterhof, weil der Wagen ziemlich salzverkrustet ist.

Unsere Weiterfahrt wird dann zwar nicht mehr so spektakulär wie am Anfang, aber immer noch sehr interessant, z.B.:

- Baden in den heißen Quellen eines Geysirfeldes auf 4300 m Höhe nach einem nächtlichen Schneefall (Tatio, Nordchile)

- die spektakuläre Sonnenuntergangsstimmung in einem der vielen Val de Lunas Südamerikas (San Pedro de Atacama, Nordchile)

- die beeindruckenden Landschaften am Paso de Jama zwischen Chile und Argentinien

- das stundenlange Suchen unserer entlaufenen bzw. entflogenen Drohne in einem Steinfeld auf über 4000 m, wo wir den ganzen Tag keinen Menschen treffen (Pass vor Antofagasta del la Sierra)

- die Nationalparks von Ischigualasto und Talampayo (UNESCO-Stätten: 1 x im Autokonvoi und 1x im Touristenbus)

- der eindrucksvolle Wallfahrtsort der Diffunta Correa (Schutzheilige der Reisenden) mit besonders vielen Wasserflaschen als Opfergabe

- der Verkehr bzw. Wochenend-Massenauflauf in der Großstadt Santiago de Chile (6 Mill. Einwohner = 40 % des Landes)

- die extrem steilen und engen Straßen in Valparaiso sowie Winter-Strandvolleyball und Wellensurfen an der Pazifikküste

- ein privates Museum mit 60.000 Exemplaren, ein ehemaliges Jesuitenkloster, ungewöhnliche Nachtplätze mit Grillen am Lagerfeuer oder eine partielle Mondfinsternis ...

In Mendoza (noch ohne Erfolg) und in Rosario suchen wir eine Mercedes-Werkstatt auf, um den Leistungsabfall des Motors nach nur 33 Liter bolivianischem Diesel mit zu viel Schwefelanteil zu reparieren. Es waren allerdings mehrmalige Versuche notwendig, um die Rückstände im Dieselpartikelfilter erfolgreich zu verbrennen.

Zum Schluss gibt es noch ca. 200 km Fahrt im Großraum bzw. Moloch Buenos Aires (15 Mill. Einwohner = die Hälfte aller Argentinier), z. T. bei Nacht, Regen und im Stau, was uns aber zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr schrecken kann. Nach acht Wochen kommen wir wieder in Uruguay an, genauer gesagt an unserem Ausgangspunkt am Campingplatz in der Nähe von Montevideo, wo wir auch unseren Wagen abstellen.

 

Zusammenfassungen

Technische Probleme unterwegs: Eine zusätzliche Undichtigkeit am Turbolader wird gerade abgeklärt und erfordert vielleicht noch ein Ersatzteil aus Deutschland. Ansonsten hat sich unterwegs – wohl durch die großen Beanspruchungen auf den Pisten - neben einem GPS-Gerät und einer Toilettenkassette auch eine Festplatte meines Laptops verabschiedet. Die Bild-Originale waren zum Glück alle gespeichert, jedoch musste ich zu Hause ca. 400 Bilder neu bearbeiten, die noch nicht gesichert waren. Dafür haben wir inzwischen einen Adapter für unsere deutschen Gasflaschen anfertigen lassen und sind zumindest das Gasproblem los.

Statistik: über 10.000 km Fahrt in 10 Wochen (z.T. aber auch 40-80 km gerade Straßen an einem Stück durch eintönige Landschaften wie die Pampa), davon alleine ca. 2500 km Pisten, Das macht im Mittel ca. 180 km/Tag und 45 km/h mit knapp 4 Std. Fahrt und 3,5 Std. Pausen tagsüber. Insgesamt passieren wir 10 Grenzübergänge mit Papierkrieg, aber ohne größere Probleme, wobei unsere Kinder die Prozeduren wohl etwas beschleunigt haben. Außerdem ergaben sich 20 Pässe sowie mehrfaches Übernachten über 4000 m und wir bringen ca. 1900 Bilder und Filmszenen nach Hause.

Resümee:  nach 12 Wochen auf so einer Reise kommt einem Deutschland wie ein Paradies vor - wir  freuen  uns über unser Haus und alle Annehmlichkeiten der Zivilisation ohne Staub/Dreck, Wind oder die zum Teil gravierenden sozialen Gegensätze (zwischen Stadt/Land und arm/reich). Da die letzten Tage in Argentinien zum Teil recht kühl und regnerisch waren, genießen wir nach unserer Rückkehr besonders den warmen Sommer hier.

Gelohnt hat es sich unsere Reise trotz Winterzeit natürlich in jedem Falle. Vor allem sind wir dankbar und stolz auf unsere zwei Mädels, die nicht nur sämtliche Spielplätze auf unserer Route getestet haben, sondern meist auch sehr geduldig waren, z.B. bei Drohnenaufnahmen oder längeren Fahrtstrecken!

 

Ausblick: Und deshalb werden wir ab November weitermachen und aus dem herbstlichen Europa direkt in den südamerikanischen Sommer wechseln, Dabei wollen wir uns vor allem in Patagonien bzw. Feuerland aufhalten und die spektakulären Landschaften und Tierwelten dort erleben.

 

Reiseerkenntnisse

Es ist ein Unterschied, ob man eine Reise mit Programm bucht oder alles selbst organisiert   

Es ist ein Unterschied, ob man ein bergsteigerisches Ziel hat oder die Reise selbst das Ziel ist

Es ist ein Unterschied, ob man selbst fährt und stehen bleiben kann, wann und wie lange man will

Es ist ein Unterschied, ob man in einem Hotel, am Campingplatz oder frei in der Natur übernachtet

Es ist ein Unterschied, ob man Tagestouren, eine Rundreise oder eine Streckenreise macht

Es ist ein Unterschied, ob man zwei bis drei Wochen oder gar monatelang unterwegs ist

Es ist ein Unterschied, ob man die Reise nur für sich selbst oder auch für einen Vortrag plant

Es ist ein Unterschied, ob man als Gruppe, Paar oder als Familie mit Kindern reist …

Wir haben jedenfalls diese ganzen Unterschiede ausgekostet - und genossen!

© Dr. med. Walter Treibel, 2019