Osteoporose

Diagnose und Therapie der Volkskrankheit
 

Ein Schwerpunkt unserer Praxis  ist die Behandlung  der verminderten Knochendichte im Alter. Die besondere Erfahrung auf diesem Gebiet wird dokumentiert durch kontinuierliche eigene Fortbildungen (Teilnahme an Kursen und Kongressen) und Vorträge auch für Fachkollegen.


Definition und Allgemeines zur Osteoporose

Die Osteoporose gehört nach der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den zehn bedeutendsten Krankheiten der Erde. Sie ist eine Volkskrankheit mit 4 - 6 Millionen Betroffenen allein in Deutschland. Etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann (über 50 Jahre) erleiden einen Knochenbruch durch Osteoporose. Diese Erkrankung ist vor allem auf das zunehmende Alter der Bevölkerung zurückzuführen, hängt aber auch von Fehlernährung, Bewegungsmangel und bestimmten anderen Erkrankungen und Medikamenten ab.

In Deutschland erleiden jährlich 130 - 150000 ältere Menschen durch Osteoporose einen Schenkelhalsbruch an der Hüfte (meist durch harmlose Stürze ausgelöst). Von diesen Patienten versterben innerhalb eines Jahres 20%! Die Therapiekosten betragen bereits jetzt über 2 Milliarden Euro pro Jahr, die Zahl der Brüche soll sich jedoch innerhalb der nächsten 30 Jahre verdoppeln!

An der Wirbelsäule sieht es ähnlich dramatisch aus, alle 7 Minuten passiert ein osteoporotischer Wirbelkörperbruch. Wenn bereits ein Wirbelsäulenbruch durch spontane Sinterung oder Sturz stattgefunden hat, sind meist weitere Brüche zu erwarten, die Lebensqualität sinkt dramatisch und das Risiko, an den Folgen zu sterben, steigt um das Zehnfache!

Aus diesem Grund ist ein rechtzeitiges Erkennen und eine effektive Prophylaxe der Osteoporose enorm wichtig. Zum Glück kann die Osteoporose durch die heutige moderne Medizin verhindert bzw. gut behandelt werden. Leider werden jedoch auch heute nur 20 Prozent der Erkrankten richtig diagnostiziert und behandelt!

Risikofaktoren für eine Osteoporose

Es gibt eine Reihe von Faktoren, bei denen das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, deutlich erhöht ist. Frauen sind generell viel häufiger betroffen als Männer, speziell wenn diese Erkrankung in der Familie bereits vorgekommen ist (Mutter, Großmutter, Tante, Schwester) oder ein niedriges Körpergewicht vorliegt (kleine, zierliche Frauen). Ein spätes Eintreten der Regelblutung ist ebenso ein Risiko wie vorzeitiges Aufhören (z.B. durch Entfernen der Eierstöcke).

Neben Bewegungsarmut und Lichtmangel (v.a. Südländer betroffen) spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle: Viel Alkohol, Rauchen, Kaffee und Phosphat (“fast food”, Cola) schadet dem Knochenskelett, da zu wenig Kalzium gebildet wird (“Kalziumräuber”).

Eine Cortison - Therapie mit mehr als 5 mg Prednisolon pro Tag erhöht das Osteoporose-Risiko beträchtlich ebenso wie bestimmte Krankheiten, z.B. Rheuma, Bechterew-Erkrankung, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Organtransplantationen sowie oft auch frühere Knochenbrüche. Besonders gefährlich im Alter sind häufige Stürze, z.B. durch alters- oder krankheitsbedingte Gangunsicherheit (wie bei Schwindel) oder Muskelschwäche.
 

Wie kann ich Osteoporose erkennen? - Knochendichtemessungen

Ein Zeichen ist die Abnahme der Körpergröße (Kleinerwerden um mehrere Zentimeter) mit Rundrücken (“Witwenbuckel”). Manchmal führt auch ein genereller Rückenschmerz die Patienten zum Arzt (“alles tut weh!”), wobei dann Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule (z. B. bei Bandscheibendegeneration) durch einen Orthopäden zu klären sind. Manchmal sind sogar schon sogenannte Keil- oder Fischwirbel durch Einsinken der Wirbelkörper im Röntgenbild zu sehen.

In der Regel ist eine Messung der Knochendichte (an Wirbelsäule und/oder Schenkelhals) notwendig, da die Osteoporose im normalen Röntgenbild erst bei mehr als 30% Knochenverlust zu erkennen ist. “Billig-Untersuchungen” an Hand oder Fuß (z.B. in Apotheken) reichen definitiv nicht aus!

 

Was kann man gegen Osteoporose unternehmen? - Basistherapie

Wichtig ist es, die beschriebenen Risikofaktoren zu verringern. Dazu gehört z.B. regelmäßige Bewegung (zum “Knochentraining”) und eine besonders kalziumreiche Nahrung mit Milchprodukten (wie z.B. Joghurt, Hartkäse usw.) oder Gemüse (wie z.B. Broccoli oder Kohlsorten).

Als Prophylaxe bei drohender oder beginnender Osteoporose sowie als “Basistherapie” bei bestehender Osteoporose sollten je nach Ernährung ganzjährig 500 mg Kalzium eingenommen werden (Brause- oder Kautabletten). Diese Tabletten gibt es sehr günstig in Supermärkten oder Drogerien (20 Tabletten für weniger als 1 Euro). Noch wichtiger ist jedoch Vitamin D: speziell im Winter sollten Ältere wegen der geringeren Sonneneinstrahlung zusätzlich unbedingt das knochenfördernde Vitamin D einnehmen (1000 IE).

Spezielle Behandlungsmöglichkeiten - Osteoporose-Medikamente

Hierzu gehören je nach Art und Schwere der Osteoporose spezielle Medikamente, die den Knochenaufbau fördern oder den Knochenabbau senken (Einsatz nach medizinischen Leitlinien).

Biphosphonate, z.B. Risedronat) oder Alendronat, wöchentlich 1 Tablette) sowie Bonviva (Ibandronat, 150 mg, einmal pro Monat) bremsen spezifisch den Knochenabbau und sind inzwischen das Standardmittel bei Osteoporose geworden (z.T. auch in Kombination mit Kalzium oder Vitamin D). Sie müssen jedoch nüchtern mit Wasser genommen werden und manchmal gibt es Probleme mit der Verträglichkeit. Eine gute Alternative bei Magenproblemen oder altersbedingter Vergeßlichkeit ist das Mittel Ibandronat (Bonviva), das alle drei Monate in eine Vene gespritzt wird, meist gleich kombiniert mit einer Vitamin D Spritze.
Wenn eine Therapie mit Bisphosphonaten bereits länger als 5-7 Jahre stattgefunden hat, empfiehlt es sich, die Medikamentensubstanz zu wechseln. Dafür hat sich Denosumab (Prolia) am besten bewährt, da es schnell wirkt, unproblematisch unter die Haut gespritzt wird und nur alle 6 Monate verabreicht werden muß - ist allerdings recht teuer.



Sonstige Behandlungsmöglichkeiten und Kontrollen durch den Arzt

Dazu gehören u.a. Osteoporose-Gymnastik in Sportvereinen, Volkshochschulen oder Fitness-Centern, zusätzliche Gymnastik zu Hause nach Anleitungen (Broschüre, Kassette) sowie Mitmachen bei einer Selbsthilfegruppe. Als Training von Gleichgewicht, Muskulatur und zusätzlich Knochenfestigkeit für ältere Menschen kann auch ein Vibrations-Trainingsgerät sinnvoll sein, auf dem man möglichst täglich stehen sollte.

Eine Wiederholung der Knochendichtemessung sollte je nach Schweregrad der Osteoporose stattfinden: nur bei schwerer Osteoporose jedes Jahr, ansonsten alle 2 - 3 Jahre, bei Frauen im gefährdeten Alter ab 60 Jahren und mit Risikofaktoren spätestens alle 5 Jahre.

© Dr. med. Walter Treibel, 2011