Mountainbike Längstransalp von Wien bis Nizza
Von Wien bis Bischofshofen mit Kinderanhänger

Die Alpen von Wien bis Nizza sind das schönste Gebirge der Welt - das können wir nach all unseren Reisen wirklich beurteilen. Die Alpen sind circa 1200 km lang und 150 bis 250 km breit.

Unsere Route ist so gewählt, dass wir immer wieder an klassischen Bergtouren von früher vorbeikommen, und zwar bei den wichtigsten und interessanten Gipfeln, z. B. Dachstein und Glockner, Dolomiten und Gardasee, Bernina und Bergell sowie Wallis und Mont Blanc.

Wir lieben das Reisen und das Unterwegs sein in der Natur und wollen auch mit Kindern unterwegs sein. Aber schließt das eine das andere nicht aus? Kann man mit kleinen Kindern noch reisen, sich frei fühlen, etwas im Gebirge machen? Man kann, man muss sich nur etwas einfallen lassen und einiges dabei beachten. 

Klettern funktioniert mit Kleinkindern erst mal nicht, während Wandern schon nach wenigen Monaten im Tragetuch und später natürlich auch in der Kraxe möglich war. Aber bald werden die Kinder zu schwer und Mehrtagestouren machen damit wenig Spaß. Eine gute Option ist das Bootfahren im Sommer oder im Winter auch Langlaufen mit einem Schlitten, was aber eben nur wenige Wochen im Jahr geht.

Am besten aber funktioniert das Radfahren mit einem geländegängigen Fahrradanhänger und einer verstellbaren weichen Federung. Mit einer Hängematte können schon Babys damit fahren.  Das Radfahren hat sich für uns als beste Alternative herausgestellt, zumal wir das schon vorher intensiv betrieben haben.

Technischen Ausrüstung: Walters Mountainbike ist inzwischen 16 Jahre alt und war auf 5 Kontinenten im Einsatz. Nach einigen Umbauten und Ergänzungen funktioniert es immer noch besten. Ursprünglich hat es 12 Kg gewogen, jetzt sind es 22 kg.

Da der Anhänger mit Inhalt und Gepäck fast 30 kg wiegt, haben wir unsere Räder nachträglich zu Ebikes, genauer gesagt Pedelecs umbauen lassen, mit einem Elektromotor in der Hinterradnabe.  In der Ebene wäre das zwar nicht nötig, aber fahren Sie einmal einen steilen Alpenpass mit diesem Zusatzgewicht! Unser Akku ist zur besseren Gewichtsverteilung unter dem Lenkervorbau untergebracht und ansonsten Karten und GPS am Lenker. Ein Spiegel ist mit Anhänger sehr nützlich und bei Regen auch Schutzbleche.

Damit wir alles durchtauschen können, haben wir auf beiden Rädern selbstkonstruierte Gepäckträger mit Stützstange für Packtaschen montiert, die sogar bei einem Fully funktionieren., und eine Anhängerkupplung an der Hinterachse montiert.  

Nachdem wir uns fürs Fahrradfahren entschieden hatten, mussten wir nur noch die richtige Route finden. Unser erster Plan war die Donau von der Quelle bis zur Mündung zu fahren und wir hatten uns dafür schon alle Literatur und Karten besorgt. Die allererste Probefahrt der Isar entlang war jedoch sehr ernüchternd: fast immer eben, mal eine leichte Biegung nach links, dann wieder nach rechts und so weiter. Nach nur einem Tag haben wir den Plan aufgegeben, weil es uns viel zu langweilig war.

Da wir schon mehrfach Transalps durchgeführt haben, entstand die Idee einer anspruchsvollen Längsdurchquerung der gesamten Alpen von Wien bis Nizza. Wir wollten aber nicht die langen und einfachen alpinen Längstäler benutzen, die man auf jeder Alpenkarte gut erkennen kann, also z.B. Ennstal und Pinzgau, über Inntal und Rheintal ins Rhonetal, sondern uns über schönere, anspruchsvollere und v.a.  wenig befahrene Strecken durchschlängeln.

Im August 2015 – unsere Isabella ist genau ein Jahr alt - fahren wir mit unserem Wohnmobil nach Wien und starten direkt in der Stadtmitte am Stephansdom. Wir brauchen erst mal ziemlich lange, bis wir überhaupt aus Wien herauskommen, aber bei35 Grad mit Mountainbikes durch eine Großstadt zu fahren macht nicht wirklich Spaß.

Schon mitten im Wienerwald stoßen wir auf einen alten Pilgerpfad zum Wallfahrtsort Mariazell, der ziemlich steil nur zu Fuß begehbar ist und über einen kleinen Pass führt. Dass er öfters begangen wird, kann man an den vielen Reliquien und Schildern sehen, die die Pilger am Wegesrand angebracht haben.Wir müssen unsere Drahtesel diesen Pilgerpfad hinaufschieben, wobei wir teilweise zweimal laufen müssen. Auf unserer Tour durchfahren wir fast alle österreichischen Bundesländer (bis auf Vorarlberg und Burgenland). Hätten Sie gewusst, dass Österreich den größten Flächenanteil an den Alpen hat?

Schließlich erreichen wir den Eisenbahnknotenpunkt Selzthal bei Liezen in der Obersteiermark: das ist ein Schnittpunkt zweier großer Eisenbahnstrecken (Ost-West und Nord-Süd). Allerdings hat er seine besten Zeiten sicher schon hinter sich gelassen. Walter fährt mit Eisenbahn und Rad 3 h nach Wien zurück und holt das Wohnmobil nach, während Isabella und Christine im Freibad auf ihn warten. Damit ist unsere erste Etappe von Wien aus bei Sommerhitze über 5 Tage geglückt.

Ein paar Wochen später starten wir im September 2015 wieder von Selzthal, aber nicht den einfachen Weg nur im Tal über Schladming bis nach Bischofshofen, sondern mit einem Abstecher rund um das Dachsteingebirge.

Dabei machen wir einen Ausflug zum Gosausee und fahren dann über den Gschüttpass weiter, der auf der Nordseite um das Dachsteinmassiv herumführt. Schließlich landen wir in Bischofshofen und haben damit für dieses Jahr unser Soll erreicht.

 

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2018