Bergsteigen in den Westalpen 2013

Im Sommer ist wieder einmal ein Alpenurlaub geplant, nachdem wir ein Jahr vorher unsere bergsteigerischen Ziele nur teilweise verwirklichen konnten. Um diesmal größere Erfolgschancen zu haben, bereiten wir uns gründlich vor: wir kaufen neue und leichtere Ausrüstung, und verbessern unsere Kondition. Dazu gehen wir in eine Höhenkammer und adaptieren uns bei Sauerstoffmangel (bis 4000 m) gleichzeitig an die Höhe.

So können wir als Eingehtour gleich den Gran Paradiso über dem Aostatal besteigen, wobei wir für Auf- und Abstieg zwei verschiedene Wege benutzen.

Im Wallis wollen wir bei der nächsten Schönwetterperiode auf den Dom steigen, aber die neue Hütte ist völlig ausgebucht . Stattdessen steigen wir mit Zelt auf 3200 m Höhe etwa 300 m oberhalb der Monte Rosa Hütte. Von hier aus starten wir direkt zur Dufourspitze und überschreiten den zweithöchsten Alpengipfel. Unser Zeltplatz liegt so grandios, dass wir hier sogar noch eine zweite Nacht verbringen.

Ein paar Tage später steigen wir dann doch noch zur Domhütte auf. Hier waren wir vor einem Jahr gescheitert: die Hütte war wegen einer Erweiterung geschlossen (wir mussten deshalb 700 m tiefer starten), waren noch nicht voll akklimatisiert und außerdem zu spät dran. Zu allem Überfluss bricht sich Christine im Abstieg bei einem harmlosen Sturz den Knöchel und wir verlassen den Berg mit einem Hubschrauber. Doch diesmal geht alles gut: wir erreichen den Dom über den teilweise vereisten Festigrat - auch psychologisch ein wichtiger Gipfelsieg.

Voll akklimatisiert und austrainiert wechseln wir jetzt nach Chamonix im Mont Blanc-Gebiet. Nach einer leichten Wanderung mit einer spektakulären Rettungsaktion von verunglückten Gleitschirmfliegern aus Seilbahnseilen wollen wir jetzt auf den höchsten Gipfel der Alpen - schon lange ein Wunschtraum von Christine.

Nach der schnellen Auffahrt zur Aiguille du Midi übernachten wir in der nahen Cosmique-Hütte und erleben dort eine fantastische Abendstimmung. Um 2 Uhr nachts verlassen wir die Hütte bei Vollmond und sternklarer Nacht in Richtung Mt. Blanc du Tacul: Aber schon bald werden wir von einer riesigen Spalte gestoppt. Der senkrechte, ca. 3 m hohe Spaltenrand muss einzeln mit zwei Eisgeräten überwunden werden. Dadurch gibt es einen gewaltigen Rückstau von ca. 30 Bergsteigern und wir müssen bei Eiseskälte über zwei Stunden warten, bis wir dieses Hindernis überwunden haben, während andere sogar umkehren.

In der Dämmerung queren wir eine Seraczone, die bei einem Abbruch wenige Tage zuvor zwei Todesopfer gefordert hat. Auch unter dem Gipfel des Mount Maudit gibt es eine weitere Steilstufe zu bewältigen. Da wir durch die Spalte sowie durch Fotografieren viel Zeit verloren haben, stehen wir erst um die Mittagszeit auf dem Mont Blanc (4808 m), noch dazu bei bestem Wetter und guter Fernsicht. Auch der Abstieg über Vallot- und Gouter-Hütte zieht sich in die Länge und als wir die Tete Rousse Hütte erreichen, sind wir fast 16 Stunden unterwegs.   

Nach einer kurzen Erholung und einer aussichtsreichen Zeltnacht gegenüber dem Mt. Blanc Massiv starten wir zu unserem letzten Projekt - zur Umrundung mit den Mountainbikes. Bei mäßigem Wetter radeln wir von Chamonix über Le Tour zum Col de la Forclaz in der Schweiz. Eine rasante Abfahrt bringt uns nach Martigny ins Rhonetal, dann folgt eine lange Auffahrt bis Champex. Unsere weitere Route quert vom schweizerischen Val Ferret über den gleichnamigen Col ins italienische Val Ferret. Auf der Südseite des Mt. Blanc Tunnels bestaunen wir den langen und extremen Peutery-Grat, der direkt zum Gipfel zieht. Am Ende des Val Veni müssen wir unsere Räder eine Weile schieben, bevor wir über den Col de la Seigne komplett ins nächste Tal abfahren können. Über den Stausee Lac de Roselend und den Col de Joly erreichen wir die Ostseite des Mt. Blanc. Eine weitere Etappe bringt uns nach 6 Tagen, 250 km und 7500 Höhenmetern  wieder zurück nach Chamonix.

Auf dieser Route treffen wir fast keine Mountainbiker, aber sehr viele Wanderer. Zum gleichen Zeitpunkt finden noch vier verschiedene Ultratrail-Wettbewerbe statt, wobei die Teilnehmer den Mt. Blanc in 1-2 Tagen im Laufschritt umrunden. Nachdem wir hier eine Weile zugeschaut haben, wissen wir, dass diese extremen Strapazen nichts für uns sind und freuen uns umso mehr über unsere gelungene Überschreitung bzw. Mountainbike-Umrundung.        

© Dr. med. Walter Treibel, 2013