Der Triglav in den Julischen Alpen

Um und über den höchsten Gipfel Sloweniens

Wir wollen im Sommerurlaub 2012 die Seven Summits der Alpen von Ost nach West besteigen und starten in den Julischen Alpen. Zum Warmwerden beginnen wir mir einer viertägigen Mountainbike-Tour rund um den Triglav. Von Kranjiska Gora fahren wir auf einer geteerten, steilen Passstraße in Richtung Vrsic-Pass (1611m). Von dort morgens wieder ins Tal hinunter, eine tolle Abfahrt an dem unglaublich klaren Fluss Soca entlang.

Bei Lepena schlagen wir einen Wanderweg zu einer Berghütte ein, um den weitläufigen Teerstraßen rund um die Julischen Alpen aus dem Weg zu gehen. Es folgt ein langer Tag mit viel Schieben und Tragen: erst nach dem Vratcapass (1803 m) erwartet uns ein herrlicher Singletrail durch die Gebirgslandschaft und zum Schluss noch eine lange Abfahrt bis Stara Fuzina am Wocheiner See. Am letzten Tag geht es am See Bled entlang zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Unsere viertägige Rundtour  um den Triglav war der Auftakt, nach einem Ruhetag wollen wir nun den Gipfel selbst besteigen – aber natürlich nicht auf dem einfachsten Weg. Wir starten vom Parkplatz bei Aljazev Dom (1015m) und steigen über den Tominsek-Weg auf. Im Wald ist es zunächst sehr anstrengend, die Rucksäcke drücken und die gebauten Stufen sind hoch – wir schwitzen unglaublich.

Mit Stöcken geht es dann besser, aber weiter oben bleibt Christines Helm in den Latschen hängen, reißt sich vom Rucksack los und fällt und fällt – außer Sichtweite. Wir entdecken ihn einige Meter unterhalb des Weges über dem Abgrund in Kiefernzweigen hängend. Walter bastelt mit Hilfe von Tape und zwei Wanderstöcken eine lange Angel, ans vorderste Ende kommt ein Karabiner, der mit Tape zu einem Haken umfunktioniert ist. So können wir den Helm gerade noch angeln!

Weiter oben wird es dann richtig schön – gut gesicherte Felswege, herrliche Ausblicke und etwas Klettern. Am Abend erreichen wir die Hütte Dom Valentina Stanica (2332m), wo wir die letzten Lager erhalten. Um 6 Uhr stehen wir auf – das Wetter ist herrlich, unten im Tal liegen die Wolken, oben taucht die Sonne die Berge in leuchtendes Rot. Über den Grat geht es Richtung Triglavski Dom (2515m): diese Hütte ist  immer voll – das reinste Volksfest.

Nach kurzer Rast geht es weiter über den ausgesetzten Grat zum Gipfel. Der Triglav ist mit 2864m nicht nur der höchste Berg, sondern auch der am häufigsten bestiegene in ganz Slowenien. Teilweise gibt es lange Staus mit schon heruntersteigenden Touristen, viele davon Nichtbergsteiger.

Nach der Gipfelrast steigen wir auf der anderen Seite wieder abwärts. Der lange Abstieg (ehemals Bamberger Weg) ist allerdings bis zur Scharte nochmal sehr steil, ausgesetzt, brüchig und kaum gesichert – definitiv nichts für Gelegenheitsbergsteiger. Über die Via Alpina geht es zurück zum Aljazev Dom und wir freuen uns auf duschen, essen, schlafen, ausruhen...

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2014