Zugspitze by fair means - 2012

Zu, um und auf den höchsten Berg Deutschlands


Jahrelang geplant, immer wieder verschoben: Endlich soll sie stattfinden, die Fahrt mit den Mountainbikes zur Zugspitze, um den Gipfel herum und die Überschreitung auf dem Jubiläumsgrat. Walter und Wolfgang fahren mit ihren Mountainbikes von München aus los - hochbeladen: mit Packtaschen, Zelt, gesamter Verpflegung und  Bergausrüstung ... komplett bei fair means eben, Christine stößt nach zwei Tagen in Garmisch zur Umrundung der Zugspitze dazu. Am Abend schlagen wir am Seebensee unser Nachtlager auf. Unser Zelt steht in der umzäunten Wiese einer Jagdhütte – zum Glück, sonst wären uns in der Nacht die Kühe wahrscheinlich im Zelt besuchen gekommen. So beschränken sie sich darauf, uns zu „umgrasen“ und "erfreuen" uns die ganze Nacht mit ihren laut bimmelnden Kuhglocken.

Bei wechselhaftem Wetter erreichen wir nach der kompletten Umrundung am nächsten Abend wieder unseren Ausgangspunkt und  steigen noch am späten Abend zur alten Höllentalangerhütte auf.

Von hier aus wollen wir den Jubiläumsgrat angehen, d.h. wieder by fair means von unten und nicht wie über 90 Prozent aller Anderen vom Gipfel aus bzw. der Seilbahnstation auf der Zugspitze: zunächst aufs Rinderjoch, dann über den Klettersteig auf die Alpspitze und von dort über die Grieskarscharte in Richtung Zugspitze.  Für die Via ferrata und die Klettereien im brüchigem und z. T. ausgesetzten Fels haben wir eine recht provisorische Leicht-Ausrüstung dabei (als Helme müssen die Fahrradhelme herhalten)-  trotzdem ist jeder irgendwie gesichert. Nach 12 Stunden mit Fotos und Filmen erreichen wir schon etwas ermattet endlich die Biwakschachtel - der Sternenhimmel über uns ist einfach gigantisch!

Doch am nächsten Tag liegt noch ein langes Gratstück vor uns und wir haben kaum noch etwas zu trinken übrig. Zudem wird es immer heißer und heißer - schließlich geht uns das Wasser aus, lange bevor wir den Gipfel erreichen. Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres sind wir bald völlig ausgedörrt und unsere Leistungsfähigkeit sinkt merklich.

Auf dem Gipfel angekommen kann der Kontrast zu den turnschuhbestückten Touristen, die wie aus dem Ei gepellt der eilbahn entsteigen, nicht größer sein! Hier  verabschieden wir uns einstimmig von unserem ursprünglichen Plan – die Zugspitze komplett autark von und bis München by fair means zu besteigen - und fahren mit der Zahnradbahn knieschonend hinunter statt 2000 Höhenmeter über das Höllental selbst abzusteigen.

Bis dahin war es soweit gut, aber genug ist genug! Und es ist immer von Vorteil, wenn man seine Grenzen kennt.

© Dr. med. Walter Treibel, 2014