Ernährung im Gebirge

Inhaltsverzeichnis:

Grundsubstanzen der Nahrung
Vitamine
Kalorienbedarf
Ernährung vor längeren Belastungen
Energieversorgung bei Belastungen
Kohlenhydrate und "Müsliriegel"
Ernährung bei Dauerleistungen
Flüssigkeitsersatz
Mineralienersatz
Praktische Tipps für unterwegs
Verdauung und Durchfälle im Ausland

Bergsteigen verursacht im Vergleich zu anderen Sportarten einen sehr hohen Kalorien- und Flüssigkeitsverbrauch. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung sowie eine ausreichende Getränkezufuhr für die Leistungsfähigkeit im Gebirge entscheidend, da falsche Ernährung häufig zu vorzeitiger Ermüdung führt. Die Nahrungszufuhr dient zunächst immer der Wiederauffüllung der verbrauchten Speichermengen. Dabei müssen die Nährstoffe in Anpassung an die biologischen Erfordernisse und die jeweiligen Belastungen im optimalen Verhältnis zugeführt werden.

 

Grundsubstanzen der Nahrung - "Was ist drin?"

Sie dienen zur Deckung des Energiebedarfs, ersetzen den täglichen Verschleiß an Körpersubstanz bzw. fördern das Wachstum und aktivieren die Stoffwechselvorgänge im Körper. Hierzu gehören:

1. Kohlenhydrate (KH)

Sie sind v.a. in Brot, Müsli, Reis, Kartoffeln, Mehlprodukten, Nudeln, Obst sowie in jeder Art von Zucker enthalten. Bei der Verdauung kommt es zum Abbau in Traubenzucker (Glukose) und relativ schnellem Übergang ins Blut, mit Energielieferung oder Speicherung in Form von Glykogen. Die Glykogenreserven sind zu zwei Dritteln in der Muskulatur, zu einem Drittel in der Leber enthalten und können bei Trainierten die zwei- bis dreifache Menge von Ungeübten betragen (je nach Trainingszustand ca. 2000 kcal). 1 g Kohlenhydrat ergibt bei der Verwertung im Körper ca. 4 kcal Energie.

2. Fette

Sie sind v.a. in Margarine, Öl, Nüssen, Butter, Käse, Wurst und fettem Fleisch enthalten. Die wasserfreien und daher gewichtssparenden Fettreserven des Menschen sind der größte Energiespeicher mit etwa 50 000 kcal. 1 g Fett erzeugt 9 kcal und hat daher den besten Wirkungsgrad, benötigt aber ca. 10% mehr Sauerstoff zur Verbrennung. D.h. Fette sind unökonomischer sowie schwer verdaulich und daher für größere Höhen und maximale Leistungen weniger empfehlenswert als Kohlenhydrate.

3. Eiweiß (EW, Proteine)

Sie sind v.a. in Fleisch, Fisch, Milch, Eiern und Käse enthalten. Der Eiweißspeicher wird nur im Notfall zur Energiegewinnung herangezogen, ist aber sehr wichtig für den Baustoffwechsel. Die Eiweiße sind die Grundbausteine der Muskelfasern, Gerüst- und Schutzsubstanzen der meisten anderen Gewebe und sind am Aufbau von Enzymen, Hormonen, Blutbestandteilen und Antikörpern beteiligt. 1g Eiweiß ergibt 4 kcal Energie und hat bei der Verdauung eine sogenannte spezifisch dynamische Wirkung, d.h. bei der Verbrennung entsteht mehr Wärme als bei den anderen Grundsubstanzen, was sich vor allem bei Kälte positiv bemerkbar macht.
 

Vitamine – "Wichtig beim Sport!"

Sie dienen der Regulation aller Stoffwechselvorgänge, so daß ihr Verbrauch bei sportlicher Tätigkeit deutlich ansteigt. Sie kommen vor allem in Gemüse, frischem Obst und Getreideprodukten vor. Bei kürzeren Unternehmungen besteht keine Gefahr eines Vitaminmangels, ausgewogene Mischkost ist normalerweise ausreichend, da erhöhte Vitamingaben keine Leistungssteigerung bewirken. Multivitamintabletten sind dagegen bei stark erhöhter körperlicher Aktivität und verminderter Frischverpflegung, z.B. bei überwiegender Konserven- und Trockennahrung während langer Expeditionen sinnvoll.

Vitamin C (Ascorbinsäure) hat eine sehr vielfältige Wirkung und aktiviert unter anderem das Abwehrsystem. Deshalb sind erhöhte Tagesmengen beim Höhenbergsteigen vorbeugend zur Steigerung der Widerstandskraft gegen Infektionen sinnvoll. Durch Vitamin C soll auch eine Verbesserung der Sauerstoffverwertung in der Muskulatur erfolgen. Das gleiche gilt für Vitamin E, von dem deshalb ebenfalls ein positiver Effekt in der Höhe behauptet wird.


Kalorienbedarf – "Wieviel braucht es?"

Die alte, aber noch weit verbreitete Einheit "Kilokalorie" (kcal) ist definiert durch die benötigte Energie zur Erwärmung von 1 Liter Wasser um 1 Grad Celsius und entspricht einem Energieverbrauch von ca. 6 m Treppensteigen. Der Grundumsatz, d.h. der Kalorienverbrauch unter Ruhebedingungen, ist abhängig von Alter, Geschlecht, Körpergröße und -gewicht sowie der Umgebungstemperatur. Frauen brauchen im allgemeinen 5-10 % weniger Kalorien als Männer, während Kinder und Jugendliche höhere Energiemengen benötigen. Als Formel für den Nahrungsbedarf in Ruhe gilt: 1 kcal pro kg Körpergewicht und Stunde, das ergibt circa 1700 kcal pro Tag für einen 70 kg schweren Menschen. Zusätzliche körperliche Leistungen brauchen weitere Kalorien, wobei diese Werte von Person zu Person stark variieren können, auch in Abhängigkeit vom Trainingszustand. Der Bedarf bei Tageswanderungen steigt im Durchschnitt auf ca. 3500 kcal, bei Mehrtagestouren auf ca. 4000 kcal, für Hochalpinisten und Kletterer auf über 4500 kcal. Bei einem Aufstieg von 100 Höhenmetern werden etwa 100 - 150 kcal verbraucht. Umgekehrt ergeben 1000 kcal Nahrungszufuhr etwa 150 - 160 g Körpergewicht, so daß sich die Nahrungszufuhr im Training und unterwegs am besten über das Wiegen kontrollieren läßt. Das ideale Leistungsgewicht eines Bergsteigers kann durch die Formel "(Körpergröße in cm - 100) - 10 %" berechnet werden.

Ernährung vor  langen Belastungen - "Das optimale Essen vorweg!"

Für eine gesunde Ernährung werden im allgemeinen empfohlen: 50-60 % Kohlenhydrate, 25-35 % Fett und 10-15 % Eiweiß, während in der üblichen Zivilisationskost deutlich weniger Kohlenhydrate, aber dafür mehr Fette (und Alkohol) enthalten sind. Das Verhältnis von tierischen zu pflanzlichen Eiweißen und Fetten sollte jeweils 1:1 betragen. Ausschließlich vegetarische Kost ohne Milchprodukte ist für intensivere sportliche Leistungen nicht zweckmäßig. Je mehr Krafteinsatz beim Bergsteigen nötig ist, z.B. beim Klettern, desto mehr müssen Eiweiße, aber auch Fette im Vergleich zu reinen Ausdauerbelastungen wie Wandern oder Skitouren zugeführt werden.

Beim Training und vor der Tour sollten reichlich Kohlenhydrate, aber auch Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden. Das optimale Verhältnis von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen sollte etwa 4:1:1 betragen, d.h. zwei Drittel Kohlenhydrate enthalten, bei höherem Kalorienverbrauch ist sogar ein Verhältnis von 5:1:1 zu empfehlen.

Da man am Berg mit vollen Energiedepots leistungsfähiger wird und die Glykogenverbrennung für die körperliche Leistung in der Höhe am ökonomischsten ist, hat eine erhöhte Kohlenhydratzufuhr (60-80 % der Gesamtkalorienmenge) einen vorbereitenden positiven Effekt vor längeren Belastungen. Dabei ernährt man sich 3-4 Tage lang vor der Belastung überwiegend kohlenhydratreich (z.B. viel Spaghetti, sogenannte Kohlenhydrat-Mast). Eine maximale Auffüllung der Muskelspeicher wird dann erreicht, wenn diese durch entsprechend umfangreiches Training vorher entleert wurden. Die Glykogenspeicher können damit deutlich über das Normalniveau angehoben werden und reichen dann dementsprechend länger für höhere Leistungsintensitäten aus. Am Abend vor der Tour empfiehlt sich also ein ausgiebiges, fettarmes Essen.

 

Energieversorgung bei Belastung - "Vor allem Kohlenhydrate!"

Bei hohen Belastungen, z.B. beim Marathonlauf oder sehr schnellem Bergaufgehen, sind Kohlenhydrate die besten Nahrungsmittel, da die Energiefreisetzung pro Zeiteinheit etwa doppelt so hoch ist wie bei den Fetten. Der Organismus greift dabei fast ausschließlich auf die Kohlenhydrate zurück, da diese die benötigte Energie viermal so schnell wie die Fette liefern können. Außerdem haben bestimmte Organe wie das zentrale Nervensystem oder die roten Blutkörperchen nur die Möglichkeit, ihren Energiebedarf aus Zucker zu holen. Trotzdem reichen diese Kohlenhydratspeicher bei sehr langen Dauerbelastungen nicht zur Energiedeckung aus.

Bei einem Abfall der Normalkonzentrationen des Blutzuckerspiegels zeigen sich Symptome wie Hungergefühl, Kraftlosigkeit, Schweißausbruch, Zittern, Schwindelgefühl oder gar ein "black out". Dieser Unterzucker tritt vor allem dann auf, wenn der Glykogenspeicher der Muskulatur nach ein paar Stunden Sport aufgebraucht ist und der Körper auf Fettverbrennung umschalten muß. Die dabei oft entstehende Unterzuckersymptomatik bewirkt ein typisches Leistungstief, das beim Marathonlauf normalerweise nach 30 km und beim Bergsteigen nach ein paar Stunden erreicht wird ("toter Punkt").

Der Kohlenhydratspeicher, d.h. die wichtigste Energiequelle des Körpers, ist bei extremer Belastung jedoch bald erschöpft, so daß für eine optimale Leistung Kohlenhydrate in flüssiger oder fester Form zugeführt werden sollten. Bei hohen Ausdauerleistungen über mehrere Tage müssen Kohlenhydrate auch in der Ruhezeit vermehrt zugeführt werden, da sonst diese Energiereserven nicht mehr ergänzt werden können. Das gleiche gilt auch zur Vorbeugung der höhenbedingten Gewichtsabnahme beim Expeditionsbergsteigen.

 

Kohlehydrate und "Müsliriegel"

Kohlenhydrate sind also die idealen Energiespender auf Touren und werden in zwei Gruppen mit kürzerer und längerer Verdauungszeit unterteilt. Zu den einfachen Kohlenhydraten (Einfach- oder Zweifachzucker) gehören Traubenzucker (Glukose, Dextrose), Haushaltszucker (Saccharose), Malzzucker (Maltose) und Milchzucker (Lactose). Sie kommen vor in Trockenfrüchten, Marzipan, Schokolade und Honig. Alle werden sehr schnell in Traubenzucker umgewandelt bzw. gehen rasch ins Blut über und liefern damit "Sofort-Energie". Nachteilig ist, daß diese Energien relativ rasch wieder aufgebraucht sind oder sogar durch eine überschießende Gegenregulation des Körpers - bis auf Fruchtzucker - so schnell wieder abgebaut werden, daß erneut eine Unterzuckersymptomatik auftreten kann.

Gesünder als Einfach- oder Zweifachzucker sind komplexe Kohlenhydrate, die z.B. in Kartoffeln, Reis, Bohnen, Brot, Nudeln, Getreideflocken oder Maisstärke (Maltodextrin) vorhanden sind. Sie enthalten zusätzlich Vitamine und verdauungsfördernde Ballaststoffe. Da sie vom Verzehr bis zum Übergang ins Blut etwa ein bis vier Stunden brauchen, sind sie für eine gleichmäßige Energieversorgung ideal und beugen einer Unterzuckersymptomatik vor.

Müsli- oder Energieriegel bzw. Fruchtschnitten sind im Gebirge als Energielieferant recht praktisch, denn sie sind klein, relativ leicht bei hohem Energiegehalt, lange haltbar und schnell griffbereit in der Rucksackdeckelklappe oder sogar in der Kleidung. Ein Durchschnittsriegel von 40 g Gewicht hat etwa 160 Kalorien und besteht zu 50 bis 70% aus Kohlenhydraten. Obwohl bei einigen Riegeln der Zuckergehalt genauso hoch ist wie bei Keksen oder Schokolade und manche genauso fett sind, enthalten sie meist mehr Mineralstoffe und Vitamine, was vor allem bei Mehrtagestouren im Gebirge günstig ist.

Der ideale Riegel enthält hauptsächlich komplexe Kohlenhydrate, außerdem Fruchtzucker für schnellen Energienachschub. Bei langen Touren mit unterwegs wenig Wasser oder großen Anstrengungen sollte man eher saftige, leicht säuerliche oder fruchtige Sorten wählen.

 

Ernährung bei Dauerleistungen - "Gewicht + Kalorien entscheidend!"

Für extrem lange Ausdauerleistungen muß aus Gewichts- und Volumengründen jedoch von der grundsätzlichen Ernährungsstrategie, nämlich fettarme Kost zur Leistungssteigerung, abgewichen werden. Bei mehrstündigen Belastungen wird in der Regel der Energiebedarf etwa zu 60-70 % aus dem Fettstoffwechsel bestritten, bei Trainierten im Extremfall sogar bis zu 90 %. Der entscheidende Vorteil eines zielgerichteten Ausdauertrainings für den Stoffwechsel ist die Fähigkeit, trotz gesteigerter Intensität einen immer größeren Anteil der Energie aus Fett zu gewinnen, um die Kohlenhydratreserven möglichst lange zu schonen.

Der Darm kann max. 6000 kcal pro Tag aufnehmen, der Verbrauch aber bis 10 000 kcal steigen, d.h. es erfolgt ein Abbau der Körpersubstanz. Die Kalorienbilanz wird dadurch negativ, da zusätzlich oft ein "Vergessen" von Essen und Trinken durch große Anspannungen während der Tour hinzukommt (Hunger und Durst sind psychisch deutlich beeinflußbar). In so einem Fall ist die Zusammensetzung der Nahrung nicht so entscheidend, Hauptsache ist, es erfolgt genügend Kalorienaufnahme nach Eigengeschmack. Wurst und Speck sowie Schokolade als hochwertige Kalorienträger sind vor allem bei mehrtägigen Unternehmungen sinnvoll, wo es auf hohen Energiegehalt und niedriges Gewicht ankommt. Außerdem sind Fette relativ schmackhaft und weisen einen hohen Sättigungsgrad auf. Bei gut Ausdauertrainierten erfolgt eine rationellere Fettverbrennung, auf die gerade bei längeren alpinen Touren nicht verzichtet werden kann. Deswegen sind auch anspruchsvolle Leistungen über Stunden ohne Proviant oder große Ermüdung überhaupt möglich.

Eine moderne Alternative besteht in einer Art "Astronautenkost", die für Arktis-Durchquerer entwickelt wurden und auch dem (extremen) Bergsteiger nützen. Hierbei handelt es sich um Pulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen (z.B. Kakao und Vanille), die mit Wasser angerührt oder Getränken beigemischt werden. Diese Pulverkost wird schnell und in höherem Maß als normales Essen verdaut. Das Hungergefühl geht für mehrere Stunden zurück, und auch die Ausscheidung durch Stuhlgang ist geringer. Insgesamt hat sich diese konzentrierte Pulvernahrung für extreme Dauerleistungen mit deutlicher Gewichtsersparnis bewährt und bringt auch bei Erschöpfungszuständen wieder eine verbesserte Leistungsfähigkeit zurück. Nachteile sind ein relativ hoher Preis und evtl. mangelnde Abwechslung im Speiseplan.

 

Flüssigkeitsersatz - "Trinken und nochmals Trinken!"

Die enorme Bedeutung des Flüssigkeitshaushalts ergibt sich schon aus der Tatsache, daß der Mensch im Durchschnitt aus ca. 60 % Wasseranteilen besteht. Die Flüssigkeitsbilanz beim Bergsteigen ist auch bei normalen Touren fast immer negativ - als Folge davon ist oft der Durst am Tag nach einer Bergtour noch erhöht. Der trainierte Sportler kann mehr schwitzen und steigert damit die Wärmeabfuhr bei hohen Belastungsgraden. Durst-Unterdrückung ist daher nicht ratsam - genau das Gegenteil ist zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit nötig!

Die Selbstregulierung des Flüssigkeitshaushaltes ist durch den Durst nur sehr mangelhaft ausgebildet, besonders in der Höhe, aber auch bei älteren Menschen. Ein Wasserdefizit beeinträchtigt jedoch grundsätzlich die Funktionsfähigkeit des Organismus: Flüssigkeitsverluste von etwa 2 % des Körpergewichtes vermindern bereits die Ausdauerleistung, 3-4 % verringern auch das Kraftvermögen und bewirken Müdigkeit, Appetitlosigkeit sowie ein deutliches Leistungsdefizit, 5-6 % führen bereits zur Erschöpfung mit starkem Durstgefühl, Reizbarkeit und Übelkeit. Verluste über 6 % führen zu eindeutigen Koordinationsstörungen und psychischen Veränderungen, während bei über 10 % bereits Lebensgefahr besteht. Schnelle Verluste machen sich schon ab 1 %, langsame Verluste dagegen erst ab 4 % bemerkbar. Deshalb ist Trinken so wichtig. Auf einer durchschnittlichen Tagestour von ca. 6-8 Stunden braucht der Bergsteiger 2-4 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt, also vor, häufig während der Tour und auch danach.

Gut Trainierte (z.B. Bergführer) zeigen als Anpassungsreaktion eine höhere Toleranz bei Wasserverlusten. Flüssigkeitsverluste durch Schwitzen betragen normalerweise 0,6 Liter pro Tag, bei extremer Belastung kann man jedoch mit einem Flüssigkeitsverlust von bis zu 1 Liter pro Stunde rechnen, der unbedingt ausgeglichen werden muß, da Flüssigkeit auch zur Wärmeabgabe des Organismus an die Umgebung notwendig ist. Eine gute Kontrolle gibt das Körpergewicht und die Beobachtung der 24-Stunden-Urinmenge sowie der Urinfarbe (je weniger Urin, desto konzentriertere dunkle Färbung). Normal sind 1,5 Liter Ausscheidung und mehr, während 1 Liter pro Tag bedenklich und 0,5 Liter schon alarmierend sind. Schnelle Gewichtsverluste beruhen fast nur auf Wasserverlusten (z.B. bei einem Marathonlauf ca. 4 kg) und müssen unbedingt wieder ausgeglichen werden.

 

Mineralienersatz - "Fast so wichtig wie Wasser!"

Der Salzhaushalt wird vor allem bei langen Touren beeinflußt. Bei hohen Schweißverlusten können vor allem Kalium-, Magnesium- und Eisenmangelzustände eintreten. Dies äußert sich z.B. in Muskelkrämpfen, Unlust, Müdigkeit, allgemeiner Muskelschwäche und verminderter Leistungsfähigkeit.

Als Ersatz sind besonders kaliumreiche Obst- und Gemüsesäfte (Orangen- oder Apfelsaft), Trockenobst, Bananenkonzentrat sowie gesalzene Suppen in Verbindung mit etwas Traubenzucker für eine Aufnahme der Salze im Darm empfehlenswert. Bier hat eine relativ günstige Mineralienzusammensetzung, reicht jedoch zum vollständigen Ersatz der Verluste nicht aus – und soll wegen der Alkoholprobleme auch immer erst nach der Tour getrunken werden!

Gut geeignet zum Mineralienersatz ist die von der Welt-Gesundheits-Organisation empfohlene Lösung: 3,5 g Kochsalz, 2,5 g Natriumbicarbonat, 1,5 g Kaliumchlorid und 20 g Traubenzucker in 1 Liter Wasser. In großer Höhe sollte jedoch das Natriumbicarbonat weggelassen werden, da es dort durch die erhöhte Atmung vermehrt gebildet wird.

Auch Spurenelemente wie Eisen sind für den Bergsteiger wichtig. Da es im Sauerstofftransportsystem wirkt, liegt der Bedarf an Eisen besonders bei Expeditionen deutlich über dem Alltagsbedarf.

 

Praktische Tipps für unterwegs - "Für ganz schnelle Leser!"

Unmittelbar vor der Tour keine üppigen Mahlzeiten mehr, aber leichtes, gutverdauliches Frühstück einnehmen. Auf der Tour selbst, d.h. bei Dauerleistungen mehr Kohlenhydrate (bis zu 75 % der Gesamtverpflegung) zuführen: z.B. Trockenobst, Bananen, Fruchtschnitten, Müsli- oder Energieriegel sowie auch Brot. Bei Tagestouren und kürzeren Mehrtagestouren mit normaler Verpflegung empfehlen sich viel komplexe Kohlenhydrate und Fruchtzucker, dafür wenig Eiweiß und Fett. Bei Mehrtagestouren ohne Hüttenverpflegung oder Nachschub aus dem Tal sollte man etwas mehr Eiweiß, Fett, Vitamine und Mineralien mitnehmen, während bei sehr langen gleichartigen Touren relativ viel Fett zur Gewichtsersparnis nötig wird.

Die erste Brotzeit sollte spätestens nach 2 Std. erfolgen, danach regelmäßig alle 1-2 Std. kleinere Proviantpausen mit gesüßten Getränken, auch wenn noch kein Hunger oder Durst vorhanden ist (Prophylaxe). Reiner Traubenzucker ist nicht empfehlenswert, da er sehr rasch abgebaut wird und viel Wasser benötigt (eventuell ist auch ein Völlegefühl möglich).

Merksatz: Am wichtigsten ist eine ausreichende und mineralreiche Flüssigkeitszufuhr!

Daher sollten als Minimum immer 1-2 Liter Getränke mitgeführt werden. Erstmals trinken sollte man bereits vor einem ausgeprägten Durstgefühl und dann in kleineren Portionen (etwa 1/4 Liter), da größere Mengen viel länger brauchen, bis sie den Magen verlassen haben. Warme Getränke sind günstiger als kalte, da der Körper zum Aufwärmen zusätzliche Energie benötigt. Bei zuckerarmen, mineralhaltigen Getränken ist die durstlöschende Wirkung am größten. Bei Durst Schnee zu essen, ist nicht empfehlenswert, da dieser zu kalt ist und fast keine Mineralien enthält.

Eine regelmäßige Kohlenhydrat- und Flüssigkeitszufuhr ist im Gebirge unbedingt notwendig und kann die Leistung steigern bzw. eine Ermüdung hinauszögern, ein mangelndes Training ist aber auch durch die beste Ernährungsstrategie nicht zu ersetzen. Bei normalen Bergtouren und Wanderungen gilt ansonsten die Devise: "Jeder so, wie es ihm am besten schmeckt!" Denn solange der Appetit vorhanden ist, gibt es insgesamt wenig Probleme bei der alpinen Leistungsfähigkeit.

 

Verdauungsprobleme und Durchfälle im Ausland - Reise-Diarrhoe!

Diese werden meist durch Kostumstellung hervorgerufen, weniger durch Infektionen. Neben den Durchfällen können auch noch in unterschiedlicher Ausprägung Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder gar Fieber auftreten. Durchfälle können den Genuß und die Leistungsfähigkeit beim Reisen und Höhenbergsteigen entscheidend und nachhaltig herabsetzen, deshalb sind prophylaktische Maßnahmen umso wichtiger.

Zur Vorbeugung zählt routinemäßige Wasserdesinfektion, kein ungeschältes Obst, kein Gemüse, kein Speiseeis, keine Salate essen, keine ungekochte Milch trinken und Vorsicht vor fetten Speisen (oft wird altes Fett verwendet). Eventuell Enzym- und Entblähungstabletten einnehmen und insgesamt lieber weniger essen.

Merksatz: kochen, sieden, schälen – oder vergessen!

Als erste Behandlungsmaßnahme bei Durchfällen empfiehlt sich eine strikte Nahrungspause bis zur Beschwerdefreiheit. Dabei ist jedoch ein (erhöhter) Ersatz von Flüssigkeits- und Mineralsalzen sehr wichtig, z.B. mit schwarzem Tee oder Elektrolytgetränken (entweder fertige Pulvermischungen oder selbst gemischte). Nur falls dies nicht ausreicht, sollte man entsprechende Medikamente (Loperamid = Imodium) einnehmen, um einen starken und sehr konditionsvermindernden Durchfall zu stoppen.
 

 

Literatur:

Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen

Alpine Lehrschrift von Dr. Walter Treibel

Bergverlag Rother München, 2. Auflage, 2011

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2011