Berg-Apotheke

Notfall-Ausrüstung für Alpen und Fernreisen

 

Inhaltsverzeichnis:
 Inhalt / Module in Listenform
 Spezielle Medikamenteninfos
 Apotheke für Hütten, Haushalt und Wohnmobil

 

Eine Rucksack-Apotheke sollte ein obligatorischer Ausrüstungsbestandteil bei jeder Bergtour sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nur um eine Halbtagsunternehmung im Klettergarten, eine harmlose Wanderung, eine kurze Mountainbikefahrt oder eine sonstige leichte Tour handelt. Denn Unfälle passieren in der Regel überall bzw. immer dann, wenn man sie nicht erwartet!

Erfahrungsgemäß sind die Variationen bei Inhalt und Umfang der Rucksackapotheken sehr groß: In der Praxis sieht man oft überholungsbedürftige Minimallösungen mit wenigen Pflastern und einer kleinen Binde bis hin zu großen und schweren Zusammenstellungen, die dann aus Gewichtsgründen vielleicht doch auf der Hütte oder beim Einstieg zu einer Klettertour zurückgelassen werden. Besser ist es, sich auf das wirklich Notwendige zu beschränken und diese Apotheke dann auch immer dabei zu haben. Ein generelles Problem ist jedoch, daß für ganz verschiedene Touren auch unterschiedliche Inhalte und Mengen mitgenommen werden sollten. Da es ein ziemlicher Aufwand wäre, für jede Tour die Apotheke neu zu packen, hat sich am besten ein Modulsystem für die typischen Anwendungsbereiche bewährt.

Eine Minimalausrüstung sollte immer dabei sein. Hierbei handelt es sich um Mittel zur Erstversorgung von Wunden und um ein paar Schmerzmedikamente. Zusammen mit Kompressen, Dreiecktuch, einer Rettungsfolie und einer elastischen Binde ergibt sich ein Standardset, das bei Tages- und Wochenendtouren ausreicht. Ein Ergänzungsset ist für mehrtägige Touren) und / oder für eine größere Gruppe im Alpenraum gedacht. Im kleinen und leichten Survivalset sind nützliche Kleinigkeiten für Repararuren und zum Improvisieren zusammengefaßt.

Das Fernreiseset ist besonders wertvoll in Ländern mit niedrigerem medizinischen Standard oder bei Fahrten abseits der Zivilisation. Ein kleines, aber teures Höhenset mit Medikamenten wird speziell bei Trekkingtouren und Expeditionen über 3.000 m Höhe gebraucht.

Es gibt fertige Rucksackapotheken mit Pflaster und Verbandsmaterial zu kaufen, in denen aber grundsätzlich keine Medikamente enthalten sind. Diese muß man sich in der Regel selbst zusammensuchen, was bei nicht verschreibungspflichtigen Mitteln kein Problem ist. Bei rezeptpflichtigen Mitteln braucht man jedoch die Hilfe eines Arztes.

Insgesamt ist das Zusammenstellen einer guten Rucksack- oder Reiseapotheke leider eine ziemlich schwierige, zeitraubende und auch teure Angelegenheit. Auf Grund eigener langjähriger Erfahrung auf diesem Spezialgebiet werden im Folgenden Vorschläge für universelle und praxiserprobte Bergsteigerapotheken gemacht:

Eine komplette Zusammenstellung der Einzelmodule und Arzneimittel inklusive einiger Zusatz-Infos wurde absichtlich auf einer Doppelseite komprimiert abgedruckt, um sie problemlos für die eigene Rucksackapotheke kopieren zu können. Das Gleiche gilt - trotz kleinerer Wiederholungen - auch für die kurze und einheitliche Zusammenfassung der empfohlenen Medikamente auf Seite xx. Dabei werden auch die in der Praxis bewährten Mengen angegeben, denn es ist nicht notwendig, immer eine ganze Schachtel Tabletten oder zu viele Einzelteile mitzunehmen.

Eine kleine Apotheke (Modul 1 - 3) reicht für die Touren in den Alpen aus und kostet mit Tasche etwa 80 Euro. Eine große Apotheke (Modul 1 - 5) ist weltweit für alle bergsteigerischen Unternehmungen einsetzbar und kostet mit größerer Tasche etwa 200 Euro. Benötigt man bestimmte Module nicht, können diese Mittel zu Hause gelassen werden. Der freiwerdende Platz in den Taschen kann für kurze Touren auch gut für die persönlichen Sanitär-Utensilien wie Zahnbürste, Kamm, Miniseife etc. benützt werden. Der einzige Nachteil der relativ kleinen und kompakten Apotheken ist eine gewisse Druckempfindlichkeit. Deshalb die Taschen im Rucksack geschützt und möglichst weit oben packen, um einen Schaden an Tabletten oder Salben zu vermeiden. Die zwei Ampullen in Modul 4 bzw. 5 sind dagegen in einer leeren Spritze stoß- und bruchsicher aufbewahrt.

Die Medikamente halten normalerweise 2-3 (max. 4) Jahre. In echten Notfällen können sie noch etwas über das Verfalldatum hinaus verwendet werden. Ansonsten sollten die Medikamente immer wieder überprüft und rechtzeitig ausgetauscht werden. Wenn beim Teilen von Tablettenstreifen die Medikamentennamen nicht mehr vollständig lesbar sein sollten oder das Haltbarkeitsdatum fehlt, diese wichtigen Informationen unbedingt mit einem wasserfesten Filzstift selbst auf die Streifen schreiben.

 

Allgemeines

Die einzelnen Module sind gut aufeinander abgestimmt, es können aber je nach Bedarf Arzneimittel individuell noch ausgetauscht werden (z.B. zwischen Modul 1 und 2 oder 4 und 5). Der Inhalt der einzelnen Module ist wasserdicht in beschrifteten Plastikbeuteln verpackt. Als äußere Verpackung eignet sich ein stabiler Reißverschluß-Beutel (kleine Tasche: ca. 18 x 12 x 6 cm), der außen mit einem roten Kreuz gekennzeichnet ist. Schon vorhandene Erste-Hilfe-Apotheken können mit diesen Vorschlägen gut ergänzt werden.

Bitte Medikamente nur bei eigener Erfahrung und in Notfällen verabreichen sowie Beipackzettel und Verfallsdatum beachten! "Rp" bedeutet rezeptpflichtige Medikamente in (Deutschland), d.h. sie sind nur mit ärztlicher Verschreibung erhältlich. Diese Präparate dürfen deshalb nur bei entsprechendem Notfall (kein Arzt erreichbar) und nur nach maximal möglicher Aufklärung des Verletzten oder Erkrankten (Beipackzettel, Erste-Hilfe-Buch) und sorgfältiger Güteabwägung (Nutzen, Risiko) abgegeben werden!

 

Modul 1 - Standardset (immer dabei! Gewicht Modul 1 A: 120 g, 1 B: 150 g)

Diese medizinische Notfall-Grundausstattung (relativ klein und leicht) sollte immer dabei sein, auch im Klettergarten und bei Halbtagestouren. Der extra verpackte erste Teil paßt auch in kleine Taschen (sogar in das Unterfach eines Magnesiumbeutels auf Sportkletterrouten) und ist damit die Minimalausrüstung (Modul 1 A) für alle Touren.

1 A Minimalset:

  • 1 steriles Verbandspäckchen (8 cm breit),
  • 2 Heftpflasterstreifen (schmal, breit, je 10 cm lang),
  • 1 steril verpacktes (Rundum-) Pflaster (außen 7 x 5 cm),
  • 3 Steristrips (6 x 75 mm): sterile (Klammer-) Pflasterstreifen für größere Wunden,
  • 1 Rolle Tapeverband (2,5 cm breit, 5 m lang): auch für Reparaturen,
  • 10 mittelstarke Schmerztabletten: Ibuprofen-Lysinat 500 mg,  Antirheumamittel gegen Schwellungen, Entzündungen, Muskel-, Gelenk-, (Höhen-) Kopfschmerzen,
  • 2 starke Schmerztabletten: Zaldiar (Tramadol 37,5 mg / 325 mg Paracetamol         (nur für echte Notfälle! Rp),
  • 1 Wunddesinfektionsmittel: Jodlösung 10 ml (z.B. Sepso) mit 2 Wattestäbchen.

1 B Restliches Standardset:

  • 1 Informationsblätter: Erste-Hilfe-Zusammenfassung, Lagerungs- u. Verbandstechniken,
  • 2 sterile Kompressen (7 x 7 cm), 1 Paar (Gummi-) Schutzhandschuhe (groß),
  • 1 sterile nichtklebende Wundauflage (6 x 7 cm): für blutende oder nässende Wunden,
  • 1 Dreiecktuch (zum Ruhigstellen oder Verbinden, auch als Ersatz-Hals- bzw. Kopftuch),
  • 1 Aluminium - Rettungsfolie (210 x 160 cm): zur Wärmeerhaltung durch Körperreflexion,
  • 1 funktionelles Allzweckmesser mit Schere (!) in der Hosentasche oder kleine Verbandschere im Set.
  •  
  • 1 C Binden:
  • 1 Mull- bzw. Verbandsbinde (8 cm): für Kompressenfixierung oder Salbenverbände,
  • 1 elastische (Acrylklebe-) Binde (8 cm): stabil, haftend, hautfreundlich, (gut + teuer!).
     

Modul 2 - Survivalset (am besten in  Apotheke aufgehoben, Gewicht: 55 g)

Diese nützlichen Kleinigkeiten sind vor allem für kleine Reparaturen an der Ausrüstung oder für sonstige Improvisationen und Notfälle, z.B. beim Biwakieren, gedacht.

  • 1 Nähnadel und kräftiger Zwirnsfaden,
  • 1 kleiner Bleistift und Schreibpapier (Klebezettel),
  • 1 kleines Feuerzeug und 1 Schachtel Streichhölzer,
  • 1 kleine, selbststehende Kerze (Teelicht),
  • 1 dünner, biegsamer Draht (50 cm, 1,2 mm)
  • 2 verschiedene Kabelbinder (Plastikklemmschlaufe),
  • 2 Sicherheitsnadeln (groß, klein),
  • 2 Hohlnieten (groß, klein).

Mögliche Ergänzungen:

  • 1 Signalpfeife zum Alarmieren,
  • 1 Mini-Taschenlampe für Notfälle in der Dunkelheit.

 

Modul 3 - Ergänzungsset (für alpine Touren, Gewicht: 50 g)

Dieses Set ist - zusammen mit Modul 1 - für längere Unternehmungen (mehrtägige Bergfahrten, Hochtouren, Urlaube) und / oder für eine größere Gruppe gedacht.

  • 1 Bepanthen Salbe 5 g: (Universal-) Augen-, Nasen-, Wundheilsalbe,
  • 5 Otriven-Einzelpipetten: verstopfte Nase, Schnupfen,
  • 5 Metoclopramid MCP Tabl. (Rp): Übelkeit, Erbrechen, Magenstörung (3 x 1 Tabl.),
  • 10 Ibuprofen 500 mg (Antirheuma, Rp): Muskel-, Gelenk-, (Höhen-) Kopfschmerzen,
  • 1 Rheuma-/Sportgel: Prellung, Zerrung, Verstauchung, Schwellung.

Zusätzliche Ergänzungen:

Sonnenschutzmittel (mindestens Schutzfaktor 10!) und Lippenstift nicht vergessen! Ggf. mehr Verbandsmaterial oder breites Tape (3,5 cm).

 

Modul 4 - Fernreiseset (abseits der Zivilisation, Gewicht: 120 g)

Zusätzlich zum Modul 3 ist dieses Set besonders nützlich in Ländern, in denen der medizinische Standard niedriger und in denen man längere Zeit allein unterwegs ist. Hierzu gehören besonders Mittel gegen Magen-, Darm-, Erkältungs- oder sonstige Infektionskrankheiten. Eine individuelle reisemedizinische Beratung wird sehr empfohlen, vor allem auch wegen eventuell notwendiger Schutzimpfungen, Malaria-Prophylaxe oder länderspezifischer Besonderheiten!

  • 6 Elektrolyt-Zucker-Beutel (Elotrans): Mineralersatz bei starkem Durchfall (3 x 1),
  • 10 Loperamid (=Imodium) Tabl.: starker Durchfall, 1-2 Tabl. (max. 6 x pro Tag),
  • 10 Ambroxol Tabl. (schleimlösend, Rp): verschleimter Husten und Bronchitis (3 x 1),
  • 10 Ciprofloxacin Tabl. (Breitspektrum-Antibiotikum, Rp): schwere Infektion und chron. Durchfall (2 x 1),
  • 1 antibiotische Augensalbe (Rp): Augen-, Haut- und Wundinfektion, (5 g Tube),
  • 1 Tramadol 100 mg Ampulle (Rp): sehr starke Schmerzen (in Muskel spritzen!),
  • 1 Spritze 2 ml + 1 Kanülennadel (blau) + 1 Alkoholtupfer: für Injektionen,
  • 1 elektronisches Thermometer: Messung von Fieber oder Unterkühlung.

 

Modul 5 - Höhenset

(für Trekkingtouren und Expeditionen, Gewicht: 40 g)

 

Hier ist vor der Reise unbedingt eine spezielle persönliche höhenmedizinische Beratung über Einsatzbereiche, Dosierungen, Nebenwirkungen und Gefahren notwendig!

 

 

  • 10 Diamox (Acetazolamid, Rp): ggf. 2 x 250 mg pro Tag gegen Höhenkrankheit
    (als Vorbeugung in niedriger Dosierung nur in Ausnahmefällen nach ärztlicher Beratung!)
  • 10 Adalat retard (Nifedipin, Rp): 4 x 20 mg Tabl. pro Tag bei Lungenödem,
  • 5 Dexamethason 4 mg Tabletten: 2 x 4 mg, dann 3-4 x 4 mg pro Tag bei Hirnödem (Cortison, Rp) ,
  • 1 Dexamethason 8 mg Ampulle: bei Hirnödem, Allergie, Asthma, Schock,       (Cortison, Rp)
  • 1 Spritze 2 ml + 1 Kanülennadel (blau) + 1 Alkoholtupfer für Injektionen,
  • 5 Schlaftabletten (z.B. Halcion) 0,5 -1 Tabl. als kurzwirkendes Einschlafmittel
  • 5 Codein Schmerztabletten (Rp) bei chron. (Höhen-) Reizhusten (nur nachts!),
  • 10 Pentoxiphyllin retard (Rp) 3 x 1 Tabl. bei Erfrierungen (evtl. Prophylaxe).

 

Gewichtsangaben:


Kleine Apotheke (Modul 1 - 3 + Tasche) ca. 550 g,

Große Apotheke (Modul 1 – 5 + Tasche) ca. 750 g.


 

Spezielle Medikamenteninfos zur Bergsteiger-Apotheke

Die folgenden Informationen ergeben eine kurze Übersicht über die wichtigsten vorgeschlagenen Medikamente in alphabetischer Reihenfolge. Dabei werden teilweise bekannte Handelsnamen als Beispiel genannt, in Klammern dann noch jeweils der Wirkstoff (pharmakologischer Name) sowie das zugehörige Modul und eine eventuelle Rezeptpflicht (= Rp!) in Deutschland. Sie ersetzen jedoch keinesfalls das Studium der jeweiligen Beipackzettel und noch viel weniger eine kompetente ärztliche Beratung!

 

Adalat retard 20 mg (Retardtabletten, Wirkstoff Nifedipin, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: Höhenlungenödem (eigentlich ein Bluthochdruckmittel bzw. Herzmittel bei Angina pectoris).

Nebenwirkungen: Insbesondere zu Beginn kann es, meist vorübergehend, zu Kopfschmerzen und Gesichts- bzw. Hautrötung mit Wärmegefühl kommen. Gelegentlich Erhöhung des Herzschlags, Herzklopfen, Schwindel, Müdigkeit, Kribbeln in Armen und Beinen.

Dosierung: Beim Höhenlungenödem 1 Tablette zu Beginn, dann alle 6 Stunden bis zum Rückgang der Symptome. Retardtabletten unzerkaut mit Flüssigkeit einnehmen.
 

Ambroxol 30 mg (Tabletten, Wirkstoff Ambroxol, in Modul 4)

Anwendung: Zur schleimlösenden Therapie bei akuten und chronischen Erkrankungen der Bronchien und der Lunge mit zähem Schleim.

Nebenwirkungen: Magen- Darmbeschwerden (z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen), Überempfindlichkeitsreaktionen an Haut und Schleimhaut (z.B. Schwellung, Ausschlag, Rötung, Juckreiz), Atemnot, Gesichtsschwellung, Temperaturanstieg mit Schüttelfrost.

Dosierung: Während der ersten 2 - 3 Tagen 3 x täglich je 1 Tablette, danach 2 x täglich je 1 Tablette. Tabletten nach den Mahlzeiten unzerkaut mit reichlicher Flüssigkeit (Wasser, Saft, Tee) einnehmen.
 

Ciprofloxacin und Ofloxacin 500 mg bzw. 200 mg

Anwendung: Infektionen der Atemwege, von Hals, Nase und Ohren, von Bauchraum, Nieren und Harnwege, von Weichteilen, Haut und Knochen sowie bei Durchfällen.

Nebenwirkungen: Überempfindlichkeitsreaktion (z.B. Hautausschläge), Gelenk-, Muskel- und Sehnenbeschwerden, zentralnervöse Störungen (Schwindel, Kopfschmerzen, Erregungs- zustände), Magen-Darm-Störungen. Nicht bei Anfallsleiden verwenden!

Dosierung: 2 Tabletten pro Tag mit Flüssigkeit einnehmen.
 

Codein 30 mg (Tabletten, Wirkstoff Codein, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: Chronischer Höhenreizhusten. Symptomatische Behandlung von Reizhusten (unproduktiver Husten) sowie mäßig starke Schmerzen.

Nebenwirkungen: Zu Beginn der Behandlung treten häufig Übelkeit und Erbrechen auf. Weitere häufige Nebenwirkungen sind: Verstopfung, leichte Kopfschmerzen, leichte Schläfrigkeit.

Dosierung: Bei Schmerzen beträgt die Einzeldosis bei Erwachsenen 1 (- 2) Tabletten. Diese Dosis kann etwa alle 6 - 8 Stunden wiederholt werden. Bei Reizhusten ist die Dosierung und Dauer der Anwendung abhängig von der Hustenstärke und -häufigkeit. Tabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen.
 

Diamox 250 mg (Tabletten, Wirkstoff Acetazolamid, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: (leichte) Höhenkrankheit. In Ausnahmefällen, auch zur Prophylaxe (und in sehr geringer Dosierung ggf. zur Linderung von Akklimatisationsbeschwerden).

Nebenwirkungen: Kribbeln, Leistungsabfall, gastrointestinale Beschwerden, vermehrte Harnproduktion.

Dosierung: Bei eindeutiger Höhenkrankheit ggf. 2 Tabletten pro Tag mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. Prophylaxe: 1 - 2 mal eine 1/4 bis 1/2 Tablette pro Tag (unbedingt Beratung durch Höhenmediziner!)
 

Elotrans (Pulver, Wirkstoff Mineralsalz- und Glukose-Mischung, in Modul 4)

Anwendung: Zur oralen Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr (Ausgleich von Salz- und Wasserverlusten) bei starken Durchfallerkrankungen.

Nebenwirkungen: Nebenwirkungen sind bisher nicht beobachtet worden.

Dosierung: Je nach Bedarf mehrmals täglich den Inhalt eines Beutels mit 200 ml Flüssigkeit (nach Auflösen in abgekochtem, abgekühltem Wasser oder Tee) einnehmen.
 

Fortecortin 4 mg (Tabletten, Wirkstoff Dexamethason = Cortison, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: Höhenhirnödem. Ansonsten obstruktive Atemwegserkrankungen (Einengung der Atemwege, verbunden mit Atemnot) wie Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, chronisches Lungenödem.

Nebenwirkungen: Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, selten Überempfindlichkeitsreaktionen.

Dosierung: Bei Höhenhirnödem zunächst 2 Tabletten (8 mg), dann 4 mg alle 6 Stunden einnehmen.
 

Halcion 0,25 mg (Tabletten, Wirkstoff Triazolam, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: Einschlafmittel nur zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen.

Nebenwirkungen: Schläfrigkeit tagsüber, gedämpfte Emotionen, gehobene Stimmung, reduzierte Wachsamkeit, Verwirrtheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Mundtrockenheit.

Dosierung: 1/2 - 1 Tablette unmittelbar vor dem Zubettgehen mit Flüssigkeit einnehmen.
 

Ibuprofen Lysinat 500 mg (Filmtabletten, Wirkstoff Ibuprofen 500 mg, in Modul 3)

Anwendung: Akute Gelenkentzündungen einschließlich Gichtanfälle, Erkrankungen von Sehnen, Schleimbeutel, Gelenkkapseln, Bändern, Muskeln, Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen oder Operationen. Schmerzen, z.B. Kopf-, Zahn- oder Regelschmerzen. Besonders gut auch bei Höhenkopfschmerzen.

Nebenwirkungen: Magen- Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Erregung, Reizbarkeit oder Müdigkeit.

Dosierung: Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren 1 - 4 x täglich 1  Filmtabletten. Die Filmtabletten unzerkaut mit ausreichender Flüssigkeit während oder nach den Mahlzeiten einnehmen.
 

Loperamid 5 mg (Filmtabletten, Wirkstoff Loperamid: wie Imodium, in Modul 4)

Anwendung: Zur symptomatischen Behandlung von Durchfällen, d.h. "stopfende" Wirkung, nur bei Bus- oder Flug-Reisen!

Nebenwirkungen: Gelegentliche Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Mundtrockenheit und Hautausschlag.

Dosierung: Bei akuten Durchfällen zu Beginn der Behandlung 2 Filmtabletten und danach nach jedem ungeformten Stuhl jeweils 1 Tablette. Eine Dosis von 6 Filmtabletten täglich soll nicht überschritten werden. Bei chronischen Durchfällen 2 Tabletten täglich. Tabletten unzerkaut mit Flüssigkeit einnehmen.
 

Metoclopramid = MCP 10 mg (Tabletten, Wirkstoff Metoclopramid, in Modul 3, Rp!)

Anwendung: Übelkeit, Erbrechen oder Brechreiz, Magenstörung.

Nebenwirkungen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Angst, Ruhelosigkeit.

Dosierung: 3 x täglich 1 Tablette. Tabletten mit reichlich Flüssigkeit einnehmen.
 

Pentoxiphyllin 400 mg retard (Dragees, Wirkstoff Pentoxiphyllin, in Modul 5, Rp!)

Anwendung: Bei Erfrierungen zur besseren Durchblutung (eventuell Prophylaxe von Erfrierungen).

Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, gastrointestinale Störungen.

Dosierung: 3 x täglich 1 Dragee. Dragees unzerkaut nach dem Essen einnehmen.
 

Tramadol 100 mg (Injektionslösung)

Wirkstoff Tramadol, Ampulle 100 mg, in Modul 4, Rp!)

Anwendung: Mäßig starke bis starke Schmerzen.

Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, gelegentlich Erbrechen, Verstopfung, Schwitzen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Benommenheit.

Dosierung: Bei starken Schmerzen erhalten Erwachsene  1 ml Tramadol 100 mg als Injektion. Spritze intramuskulär oder subkutan injizieren.

 

Zaldiar (Tabletten, Paracetamol 325 mg + Tramadol 37.5 mg, in Modul 1, Rp!)

Anwendung: Mittelstarke Schmerzen verschiedener Art.

Nebenwirkungen: Müdigkeit, leichte Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen.

Dosierung: 1 - max. 8 Tabletten pro Tag mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen.
 

 

Apotheken für Hütten, Haushalt oder Wohnmobil

Allgemeines:

Hier geht es nicht so sehr um Gewicht und Volumen, sondern mehr um Vollständigkeit und Übersichtlichkeit für längere Hüttenaufenthalte oder Wohnmobilreisen sowie ausreichenden Vorrat für einen größeren Haushalt. Dabei wurden möglichst bewährte und preisgünstige Medikamente ausgewählt und die ungefähren Kosten mit aufgeführt.

Bitte Medikamente möglichst nur bei eigener Erfahrung und in Notfällen verabreichen, ansonsten Beipackzettel und Mindesthaltbarkeitsdatum beachten. Dieses kann notfalls auch etwas überschritten werden, besser rechtzeitig austauschen!

Verbandsmaterial:

  • 1 Alu-Koffer
  • 1 steriles Verbandspäckchen (8 cm breit); für größere Wunden
  • 1 Heftpflasterstreifen (schmal, 1 Packung): für kleine Wunden
  • 2 steril verpackte (Rundum-) Pflaster Cosmopor (7 x 5 cm): für kleine Wunden
  • 2 Steristrips (6 x 75 mm): sterile (Klammer-) Pflasterstreifen für klaffende Wunden
  • 6 sterile Kompressen (je zweimal 5 x 5 cm, 7 x 7 cm, 10 x 10 cm)
  • 1 sterile nichtklebende Wundauflage (6 x 7 cm): für blutende oder nässende Wunden
  • 1 Rolle Leukoplast (2,5 cm breit, 5 m lang): auch für Reparaturen
  • 1 Dreiecktuch: für Ruhigstellen und Verbinden (siehe 1. Hilfe-Abbildungen)
  • 8 Mull- bzw. elastische Verbandsbinden (je zweimal 4, 6, 8, 10 cm): für Kompressenfixierung und Salbenverbände
  • 1 elast. (Acryl-) Klebebinde (6 cm): für Kompression, Gelenkstabilisierung
  • 1 elast. Binde (10 cm, nichtklebend): für Kompression, Gelenkstabilisierung
  • 1 Aluminium-Universalschiene (gepolstert, ggf. reicht halbe Länge):
  • zum Ruhigstellen von Hand, Unterarm, Ellenbogen, Knie, Unterschenkel oder Fuß

Medikamente (nicht verschreibungspflichtig) und Sonstiges:

  • 20 Ibuprofen 500 Tabletten: Rheuma-, Muskel-, Gelenk-, Kopfschmerzen
  • 30 Acetylsalicylsäure-Tabletten ASS 500 (wie Aspirin): Schmerzen und Fieber
  • 10 Loperamid Tabletten (wie Imodium): (starker) Durchfall
  • 10 Etilefrin Tabletten (wie Effortil): Kreislaufstörungen, niedriger Blutdruck
  • 1 Bepanthen-Salbe 5 g: universale Augen-, Nasen-, Wundsalbe
  • 1 Voltaren Emulgen 50 g: Sport-/Rheumasalbe (Prellung, Zerrung, Verstauchung)
  • 1 Sepso (JodLösung10 ml: Wunddesinfektionsmittel (mit 5 Wattestäbchen)
  • 2 Paar (Gummi-) Schutzhandschuhe (groß)
  • 1 Erste-Hilfe-Infos, Lagerungs- und Verbandstechniken, Apotheken-Infos

Evtl. Ergänzungen: stärkere (verschreibungspflichtige) Medikamente:

  • 10 Paracetamol plus Codein Tabletten (500 mg + 30 mg), mittelstarke Schmerzen
  • 10 Tramadol 50 mg Tabletten: starke Schmerzen (für echte Notfälle!)
  • 5-10 Zaldiar (Tabletten, Paracetamol 325 mg + Tramadol 37.5 mg)
  • 1 Paspertin-Tropfen (MCP, 30 ml): Übelkeit, Erbrechen, Magenstörung


 

Literatur:
 

Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen

Alpine Lehrschrift von Dr. Walter Treibel

Bergverlag Rother München, 2. Auflage 2011

 

© Dr. med. Walter Treibel, 2011